Lisa Sonnenschein
Das war sie also wieder. Die Frankfurter Buchmesse. Da ich dieses Jahr zum ersten Mal dort arbeiten musste, bin ich nicht viel dazu gekommen, durch Halle 3 zu stromern und Menschen zu treffen. Trotzdem bin ich so mancher guten Seele begegnet und habe ein paar Erfahrungen gemacht, die ich mit euch teilen möchte :)
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Wer lieber (oder auch?) ein kurzes Impressionenvideo sehen möchte, sei herzlich eingeladen, hier vorbeizuschauen:


Die Menschen
Wie immer der wichtigste Punkt auf meiner Liste. Begegnet bin ich immerhin Michèle von aus dem Leben einer Büchersüchtigen, der Seitendiebin, die mir nur ganz zufällig begegnet ist, Bonnies Buchemotion, Emma von Ge(h)schichten, Samira von Booklover&Dreamcatcher und Sarah und Alex von Books in a bag. Einigen anderen habe ich immerhin im Vorbeigehen gewunken...!

Superspannend waren auch die Gespräche mit Andreas Suchanek von Greenlight Press und dem Verleger des Papierverziererverlags. Letzterer hat mir erklärt, wie sein Verlag Korrektoren rekrutiert, auf die immer wieder zurückgegriffen wird. Ich habe beschlossen, es auf jeden Fall mal mit einer Bewerbung dort zu versuchen :).

Die Bücher
Es ist ja immer wieder der Wahnsinn, wie viele Bücher manche Menschen von der Messe mit nach Hause (bzw. schon zur Messe hin!) schleppen. Ich selber war dieses Jahr sehr bescheiden, ganze drei Bücher habe ich wieder mit nach Hamburg genommen. Das lag zum einen daran, dass meine Tragekapazität diesmal sehr beschränkt war (schicke Klamotten für sechs Tage) und zum anderen ist mir irgendwie kein Spontankauf-Buch über den Weg gehüpft... Das Einzige, was mir ein bisschen leid tut, ist, dass gerade zu dem Zeitpunkt, als ich mich entschlossen hatte, den neuen Fitzek "Flugangst 7A" am Stand zu kaufen, der Autor selbst dort signiert hat. Da war kein Durchkommen und so musste auch der Fitzek in Frankfurt bleiben (also das Buch, nicht der Autor^^).



Murphy (das neue Buch von Nicole Gozdek) hat mir dann schließlich die gute Alexandra geschenkt! Und die anderen beiden sind über lustige Gespräche und Umwege bei mir gelandet. Wie immer ein leicht merkwürdiger Genremix, der aber perfekt zu mir passt, wie ich finde :)!

Die Drachennacht

Samstagnacht war es dann wieder so weit und der Drachenmond-Verlag gab uns ein paar Einblicke in die Arbeit hinter die Kulissen und die geheimen Talente der Autoren.
Es gab einen Poetryslam, Gesang, eine kleine Fragerunde und kreatives Geschichtenerzählen.
Leider hat mir die Veranstaltung nicht so gut gefallen wie die Drachennacht in Leipzig - sie war weniger abwechslungsreich und auch wenn ich befürchtet habe, dass sich eine Wiederholung ergeben würde, war ich doch ein bisschen traurig, dass es dann tatsächlich auch so war...
Es war bunt und schön und es waren wirklich viele Autoren da - aber ich denke, im nächsten Jahr in Leipzig muss ich nicht unbedingt wieder dorthin :).

Und sonst so?
Tja, wie gesagt - ich habe gearbeitet ;). Dazu wird es aber auch noch einen kleinen Bericht geben, auch wenn er sich nicht um die wunderbare, funkelnde Bloggerwelt dreht^^

Stay tuned!

Lisa Sonnenschein
Dieses Buch ist auf Wattpad erschienen und war dort ein solcher Erfolg, dass der Loewe Verlag es auch als Taschenbuch rausgebracht hat. Pünktlich zur Buchmesse versteht sich! Jetzt ist es bei mir gelandet.
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Abriana hat ein ganz normales Leben, viele Freunde und eine liebevolle Familie. Als sie sich eines Abends allerdings zu einem Blind Date verabredet, nehmen diese Umstände eine dramatische Wendung. Easton entführt sie auf brutale Art und Weise und hält sie scheinbar grundlos gefangen. Doch Abriana soll bald erfahren, dass hinter der Entführung mehr steckt, als sie zunächst annimmt...

Das Buch ist aus wechselnder Perspektive geschrieben, unsere Protagonistin ist jedoch Abriana. Besonders ab der Mitte des Buches wird es jedoch wichtig, auch immer wieder in die Täter-Perspektive hineinschauen zu können.
Denn dieses Buch ist ein bisschen anders. Es ist so nicht fraglich, WER der Täter ist. Es wird vielmehr damit gespielt, dass Täter und Opfer (bzw. die Polizei, die für sie ermittelt) ständig umeinander herumtänzeln und man den Weg verfolgen kann, auf dem der Fall zu einem Ende findet. Von der Idee her nicht uncool!

Leider haben sich für mich an so mancher Stelle Logiklücken aufgetan. Da wird (von Polizeiseite!) einem Opfer nicht geglaubt, es gibt keinerlei Wachschutz für eine traumatisierte Person und der Täter nennt vor allen Beteiligten einen Namen, den er gar nicht wissen kann - fällt natürlich niemandem auf...
Die Handlung wurde also sehr stark so zurechtgebogen, dass die Abläufe maximal dramatisch stattfinden, die Recherche scheint mir hier eher oberflächlich stattgefunden zu haben. Auch das Ende hat mich eher enttäuscht, es wird meiner Meinung nach nicht dem spannenden Hin und Her vom Anfang gerecht...

Trotz aller Meckereien ist "Ich komm dich holen, Schwester" ein durchaus lesenswertes Buch, das mit perfiden Psychospielchen und jeder Menge Emotionen punktet und mal einen etwas anderen Handlungsverlauf zeigt. Getreu dem Motto "Der Weg ist das Ziel" grübelt hier der Leser nicht über den Täter, sondern darüber, wie er wohl am besten aufgedeckt wird. Nett!
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Kelly Anne Blount: Ich komm dich holen, Schwester. Erschienen am 11. Oktober im Loewe Verlag. Kostenpunkt: 9,95€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Mein persönliches Highlight und der Abschluss des Wochenendes (jaa, ein bisschen geschummelt!) ist gekommen :). Jasmin Jülicher, die Autorin von "Der Hüter" hat mir ein paar Fragen beantwortet, das will ich euch natürlich nicht vorenthalten.
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Hallo Jasmin und herzlich willkommen auf meiner Seite :)! Du bist die Autorin des Buches "Der Hüter - Stadt der Tiefe". Was muss man über dich und dein Buch wissen?

Hallo Lisa, vielen Dank.
Zack - direkt die erste Frage, die ich nicht beantworten kann :D
Tja, was muss man wissen? "Stadt der Tiefe" ist mein Debütroman, den ich im Selbstverlag herausgebracht und dessen Taschenbuchausgabe ich via Crowdfunding finanziert habe. Der Roman ist der erste von voraussichtlich vier Teilen, die jeweils eine in sich abgeschlossene Handlung mit einer übergeordneten Handlung haben.

Das Genre deines Buches ist ja eher außergewöhnlich - ein Krimi, der in einer Steampunkwelt spielt. Was hat dich dazu inspiriert?

Ja, mein Genre ist eine wilde Mischung aus Steampunk, Krimi, Dystopie und ein wenig Abenteuer...
Und wenn ich ehrlich bin, hat mich die Langeweile dazu inspiriert. Ich habe vor meinem Roman ein Krimi-Seminar belegt, in dem ich den Entwurf zu einem klassischen Krimi geschrieben habe. Völlig fertiger Ermittler, alles im Hier und Jetzt etc. Und alle anderen im Seminar hat gewissermaßen den gleichen Entwurf. Bei meiner zweiten Teilnahme am Seminar habe ich den Entwurf zu "Stadt der Tiefe" geschrieben. Ein ungewöhnliches Setting, ein ungewöhnliches Genre und ein völlig gewöhnlicher Ermittler ohne Probleme. Dieser Entwurf hat mir persönlich viel besser gefallen und passte auch besser zu mir.

Sir Arthur Conan Doyle spielt eine nicht unwesentliche Rolle in der Handlung von "Der Hüter". Hast du persönlich seine Bücher gelesen? Was bedeuten die Romane um Ermittler Sherlock Holmes für deinen Ermittler Alexander?

Ich habe einige seiner Romane während meiner Masterarbeit als Hörbuch gehört.
Da mein Ermittler keine Ahnung hat, wie er eigentlich ermitteln soll, und was dazugehört, habe ich die Sherlock Holmes Bücher gewissermaßen als Anleitung für ihn benutzt. Eine Hilfestellung, die ihm letztendlich etwas mehr weiterhilft, als er wohl gedacht hat. 

Ich habe jetzt zum dritten Mal auf meinem Streifzug durchs Internet gelesen, dass dein Buchcover gerne mit dem Spiel "Bioshock" in Verbindung gebracht wird. Nervt dich dieser Vergleich?

Erst drei Mal? :D Ja, ich habe das schon öfter gehört bzw. gelesen und nein, es nervt nicht. Für mich ist es ein absolutes Kompliment, denn Bioshock ist ein hervorragendes Spiel mit einer wunderbaren Optik.

Das Funding-Ziel auf visionbakery.com
Du hast die Veröffentlichung deines Buches über Crowdfunding finanziert - ich kann mir vorstellen, dass das unheimlich viel Zeit und Mühe gefressen hat. Wie kann man sich das vorstellen?

Ja, nach Lektorat und Covererstellung bin ich der Idee verfallen, den Druck der Taschenbuchausgabe und einer limitierten Hardcoverauflage über Crowdfunding zu finanzieren. Realistisch betrachtet war es für die Leser gewissermaßen eine Vorbestellung. 
Ich fand die Idee gut, den Leser mehr einzubeziehen und einfach anders an eine Veröffentlichung heranzugehen. Die Kampagne und die Vorbereitung dazu haben mich einiges an Nerven gekostet. Die ganze Zeit schaut man dabei zu, wie sich die Summe auf das Finanzierungsziel zubewegt und verfällt in Panik, dass es vielleicht nicht klappt. Aber letztendlich hat es geklappt - sogar zehn Tage vor dem Ablaufdatum - und darüber freue ich mich sehr und danke auch allen, die mich dabei unterstützt haben.
Inzwischen ist sowohl das Hardcover als auch das Taschenbuch gedruckt.

Biota ist eine Unterwasserwelt, in der die Menschheit eigentlich neu anfangen wollte. Trotz aller Hoffnung scheint das aber nicht ohne Intrigen und Machtspielchen möglich zu sein... Meinst du, dass "die perfekte Welt" unter anderen Umständen möglich ist? Was machen die Menschen in Biota falsch?

Grundsätzlich denke ich nicht, dass "die perfekte Welt" möglich ist. Ich glaube, irgendetwas in der Menschheit funkt immer dazwischen, vor allem wenn es um eine größere Gruppe wie zum Beispiel eine Stadt geht. Generell geht es den Menschen in Biota ja sehr gut, da sie tatsächlich in Sicherheit vor dem Krieg sind und es ihnen an nichts mangelt. Nur ist es so, dass diejenigen, die die Macht haben, diese auch ausnutzen. Eben ohne dass der Rest der Bevölkerung etwas davon mitbekommt.

Hast du noch eine lustige Geschichte, die du erzählen, oder ein Geheimnis, das du (so ganz unter uns natürlich^^) teilen möchtest?

Vielleicht ein kleiner Fun-Fact, wenn man das so nennen möchte. In meinem Roman tauchen sehr viele Personen auf, die tatsächlich damals (1888) gelebt haben und mit ihnen erscheinen auch viele ihrer Eigenheiten und Errungenschaften. Und bei einigen eingebauten Dingen warte ich immer noch darauf, dass es jemandem auffällt :D
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Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, euch das Buch von Jasmin mal näher anzuschauen, geht es hier zur Amazonseite von "Der Hüter - Stadt der Tiefe".^^
Lisa Sonnenschein
In "Der Hüter, Stadt der Tiefe" begleiten wir den Protagonisten Alexander durch die Gassen von Biota - eine Stadt unter einer Kuppel auf dem Meeresgrund. Eigentlich sollte Biota ein Neuanfang für die Menschheit sein, aber irgendwie kam dann doch alles ganz anders...
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Biota ist eine Stadt voller Wunder - in einem riesigen Turm werden genetische Entwicklungen erforscht, die den Bewohnern selbst auf dem Meeresgrund unter einer Kuppel noch ermöglicht, Nutztiere zu halten und Nahrung anzubauen. Dampfbetriebene Golems unterstützen die Menschen bei jeglichen Arbeiten. Die Menschen sind gleich. Aber manche sind eben gleicher als die anderen...

Die Handlung des Buches setzt (nach der Vorgeschichte Biotas) an einer Stelle ein, in der Alexander als oberster Hüter an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird. Das ist gleich aus mehreren Gründen eine schockierende Erfahrung, als man jetzt denken würde:
- Biota wurde errichtet, um den Flüchtlingen eines großen Krieges an der Erdoberfläche Zuflucht zu gewähren. Beim Eintritt unter die Kuppel haben die Erbauer der Stadt Mittel und Wege gefunden, den Fliehenden das Gedächtnis zu löschen. Der Neuanfang in Biota ist also im wahrsten Sinne des Wortes ein Neuanfang - Tod und Gewalt sind vergessen und die Menschen können sich darauf konzentrieren, ein friedvolles und erfüllendes Leben zu führen. 
Rein theoretisch KANN also von ihnen gar kein Mord begangen werden.

- Die Einwohner Biotas sind regimetreu. Jeder weiß genau, wo sein/ihr Platz ist, die Hierarchie wird von allen beibehalten, ein jeder wird für seine Berufswahl und seinen Stand respektiert - schließlich hat er ihn selbst gewählt und kann dafür nicht verurteilt werden. Eine Sonderstellung nehmen die Forscher und die höhergestellten Politiker ein, sie sind mit größtem Respekt zu behandeln und erhalten eine Sonderstellung in allen Belangen.

Aber warum nun der Mord?
Hier kommen die dystopischen Aspekte des Buches zum Tragen. Obwohl die Menschen neu anfangen mussten, obwohl sie nie mit Gewalt konfrontiert waren, obwohl sie unheimlich klare Strukturen in ihrem Leben haben, scheint nicht alles perfekt zu sein. Alexander lernt im Zuge seiner ersten Ermittlung überhaupt, dass die Menschheit nie frei sein wird von Korruption und Machtgier.
Mancher scheint vergessen zu haben, wie die Welt an der Oberfläche zugrunde ging, scheint sich wohler zu fühlen mit der Macht über andere. Aus einem regimetreuen, sogar naiven, Alexander wird ein tapferer Kämpfer für das Gute in den Menschen und in Biota. Seine Prinzipien machen ihn zu einem ganz besonderen Protagonisten und es hat mich unheimlich begeistert, wie er anfängt, Biota als den perfekten Lebensraum infrage zu stellen. 

Was meint ihr - ist ein Neuanfang unter der Kuppel eine gute Idee? Kann das funktionieren? Oder seht ihr Intrigen und Machtspiele lauern, wie es im Fall von Biota passiert ist...?

Es ist verdammt schwer, einen Menschen zu nehmen, wie er ist, wenn 
er sich anders gibt, als er ist.
~ Ernst Festl


Lisa Sonnenschein
Na gut, okay - eine Rezension habe ich euch schon präsentiert, der Begriff "Steampunk" ist euch seit gestern ein gefühltes Dutzend Mal um die Ohren geflogen. Aber was zum Henker ist denn nun eigentlich Steampunk?
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Der Steampunk ist eine recht junge Bewegung, die ihren Ursprung eigentlich nicht in der Literatur hat, sondern in den 1980er Jahren als Kunstströmung begann. Fragt man (mal ganz doof) Wikipedia, so erzählt es einem, dass im Steampunk moderne und futuristische technische Funktionen mit Mitteln und Materialien des viktorianischen Zeitalters verknüpft werden.
Fragt man dann (weniger doof) ein bisschen weiter, so ergibt sich aber eine viel höhere Vielfalt innerhalb der Strömung, als nur ein Retro-romantisch verklärter Blick in die Vergangenheit. 
Es gibt drei große Epochen des (im weiteren Sinne) Steampunk. Viktorianischen Steampunk, den Dieselpunk der 20er/30er Jahre und den Atompunk, der in den 50ern angesiedelt ist. Alle drei verbindet eine Idee - und die spielt sich sowohl auf modischer als auch auf ideeller Ebene ab: 


What the past would look like if the future had happened sooner.
Wie die Vergangenheit ausgesehen hätte, hätte die Zukunft früher begonnen.

Optisch sind Steampunker leicht an ihrer Kleidung zu erkennen - viktorianische Outfits, gerne in Brauntönen, viele Zahnräder (in Anlehnung an die Erfindung der Dampfmaschine, die häufig Ursache für viele mechanische Apparaturen in Steampunkwelten ist - wie der Name schon sagt) und die unvermeidbaren "Goggles" (Schutzbrillen). Inhaltlich zeichnen sie sich durch den Wunsch nach Forschung und den Willen, Dinge selbst gestalten zu können aus. Nicht selten kommen daher (in entsprechenden Kleidungsstilen oder in Büchern) komplizierte und dampfbetriebene Apparaturen zum Einsatz - der "Erfinder und Forscher" nimmt einen hohen Stellenwert ein.


Aus literarischer Sicht sind zum Beispiel die Bücher von Jules Verne (20.000 Meilen unter dem Meer, Reise um die Erde in 80 Tagen) und H.G. Wells (Der Krieg der Welten, Die Zeitmaschine) wichtige Inspirationsquellen. Wenn ihr Lust habt, euch einige der zeitgenössischen Autoren anzuschauen, die sich in dem Genre bewegen, gibt es auf Lovelybooks eine Liste mit einem Leservotum der einflussreichsten Steampunk Autoren.

"Der Hüter, Stadt der Tiefe" von Jasmin Jülicher spielt also in einem Setting voller Wissensdurst, neuer Ideen und Forschungswut. Es verbindet jedoch auch Krimi- und dystopische Elemente mit Dampfmaschinen und der Unterwasserstadt Biota. The best of all the worlds!


Sämtliche Abbildungen sind pixabay entnommen und lizenzfrei verwendbar.


Lisa Sonnenschein
Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht so unheimlich Steampunk-verrückt bin. Ich habe kaum Erfahrung in dem Genre, finde aber die Idee einer alternativen Vergangenheit grundsätzlich total spannend. "Der Hüter" ist ein Genremix-Buch, also perfekt für den Steampunk-Einsteiger mit Lust am Krimi :)
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Die auf dem Meeresgrund gebaute Stadt Biota ist seit dem Großen Krieg ein Ort der Zuversicht und des Neubeginns. Die Menschen, die hier leben, haben mit ihrer von Gewalt beherrschten Welt abgeschlossen - zumindest dachten sie das. Denn eines Tages wird Alexander, dem obersten Hüter der Stadt, zugetragen, dass eine Leiche gefunden wurde. Ein Mordopfer, das es eigentlich gar nicht geben sollte...

Wir Leser folgen dem Hüter der Stadt Biota - Alexander war mir als Protagonist sehr sympathisch. Er ist nicht der klassische Justus Jonas Besserwisser-Ermittler, sondern im Gegenteil ein bisschen gutgläubig. Durch sein Leben in einer Stadt ohne Gewalt und mit festen Strukturen hält er auch gerne mal ein bisschen zu fest an seiner Illusion der friedlich lebenden Menschheit.

Das verbaut ihn aber nicht seine Ermittlung; man ist ihm also nicht als Leser schon drei Schritte voraus oder muss sich im Gegenteil am Ende belehren lassen. Der Spannungsbogen bleibt vielmehr absolut beständig und es wird eine wunderbare Mischung zwischen Action und Hektik, Grübelei und Befragung und einer Winzigkeit Gesellschaftskritik geschaffen.

Der Sprachstil hat bei mir für flüssiges Lesen gesorgt und ist weder flapsig noch zu hochtrabend. Sehr schön fügt sich auch die Gestaltung in den Leseeindruck ein - da finden sich wunderschöne Illustrationen an den Kapitelanfängen (siehe oben) und die Covergestaltung ist auch noch mal etwas ganz Besonderes (einen kleinen Eindruck von der Prägung gibt es bei Nostalgic Books).

Das Ende ist schließlich voller überraschender Wendungen (und ehrlich, ich bin normalerweise sehr gut darin, sowas kommen zu sehen!) und bildet einen rundum gelungen Abschluss von Alexanders erstem Fall überhaupt - ergo gibt es keinen Cliffhanger. So richtig zu einem Ende kommt die Autorin dabei aber nicht, das Ende hier ist vielmehr ein Anfang ;)!

Mein Fazit: Ein supercooles, actiongeladenes Buch, das mich völlig verschluckt hat und an dem ich wirklich so gar nichts auszusetzen habe - wann passiert das schon mal?!
Fans guter Krimis kommen hier voll auf ihre Kosten, aber auch Dystopie-Liebhaber könnten mal reinlesen...!
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Jasmin Jülicher: Der Hüter, Stadt der Tiefe. Erschienen am 15. September 2017 via Nova MD. Kostenpunkt: 12,90€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Es ist gar nicht so lange her, dass ich den ersten Teil dieses Buches für mich entdeckt habe. (Wer die Rezension noch einmal lesen möchte, folge bitte diesem Link.) Die beiden Bücher sind aber völlig unabhängig voneinander lesbar und ich vermute mal, dass daraus eine Buchreihe für junge Leserinnen entstehen wird - mit einzelnen, abgeschlossenen Abenteuern.
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Pip kann es gar nicht fassen. Zum ersten Mal darf sie mit zum Dreifachen Dreizack - DEM Turnier für magische Wesen. Dabei trifft sie auch ihren alten Freund Regent Maximus wieder - ein Einhorn, das einfach vor allem Angst zu haben scheint. Das schließt natürlich auch die Teilnahme an einem Turnier nicht aus und so hat Pip mal wieder alle Hände voll zu tun, die Vermittlerin zwischen den magischen Tieren und ihren Besitzern zu spielen...

Das Buch spricht zwar eher LeserInnen ab neun Jahren an, ich konnte trotzdem nicht die Finger davon lassen ;). Schon der erste Teil (den ich eigentlich nur dank meiner Einhornbegeisterung gelesen habe) hat mir ein Dauergrinsen ins Gesicht gezaubert und ich kann auch älteren LeseliebhaberInnen empfehlen, hier mal reinzuschauen.

Der Schreibstil ist recht schlicht gehalten, er passt sich der neunjährigen Protagonistin an - die allerdings nicht auf den Mund gefallen ist! Pip ist ein toughes Mädchen und gefällt mir besonders in Kontrast zu ihrem besten Freund Thomas, der gegen alles und jeden eine Allergie zu haben scheint und es lieber ruhig angehen lässt. Beide bilden ein dynamisches Ermittlerduo, das merkwürdigen Vorkommnissen auf dem Turnier nachgeht.

Mit der Handlung konnten die beiden Autoren mich nicht ganz so überzeugen wie beim ersten Buch - wir befinden uns ausschließlich auf dem Turniergelände und auch die Vielfalt der magischen Tiere, die ein großer (kreativer) Pluspunkt des ersten Buches waren, steht eher im Hintergrund. Alles scheint sich um die Einhörner zu drehen und das fand ich persönlich sehr schade. Damit springt das Autorengespann auf einen Zug auf, der für mich so gut wie abgefahren ist... (Sagte die Bloggerin mit dem Einhornheader...) 
Insgesamt hat mich die Handlung hier jedoch eher an den Abklatsch einer Folge "Bibi und Tina" erinnert, als etwas Eigenes zu bilden - sehr schade, denn ich weiß, dass das besser geht!

Erhalten bleibt uns immerhin Gottfried Higgelsteins Handbuch der magischen Tiere - die Zeichnungen und Details sind jedoch wie gesagt nicht so vielzählig wie noch im ersten Teil. Trotzdem sorgen sie immer wieder für Abwechslung und mit den witzig-ironischen Kommentaren auch für so manches breite Grinsen.

Mein Fazit: Immer noch ein zuckersüßes Buch, das man gar nicht lesen kann, ohne gute Laune zu bekommen. Wer auf der Suche nach leichter Literatur ist, um Stress und böse Gedanken abzuschalten, ist hier genau richtig. Pips Welt bleibt eine Reise wert! :)
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Maggie Stiefvater und Jackson Pierce: Pip Bartlett und die Magischen Tiere - Einhornzähmen leicht gemacht. Erschienen am 18. September 2017 im Heyne Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ als Hardcover.