Lisa Sonnenschein
Auch dieses Buch ist mir schon vor einiger Zeit in die Hände gefallen. Eine Spätzünder-Rezension folgt jetzt pünktlich zum Erscheinen des zweiten Teils (den ich ehrlich gesagt so gar nicht auf dem Schirm hatte!)


Die (sehr sympathische) Protagonistin dieses Buches ist Kim. Kim hat gerade einen Punkt in ihrem Leben erreicht, in dem sie einfach wunschlos glücklich ist. Leider wird sie promt an diesem Abend erschlagen und findet sich im Jenseits wieder. Angelehnt an den buddhistischen Glauben (diesen allerdings nicht ganz ernstnehmend) muss Kim sich jetzt - beginnend als Ameise - auf der Leiter der Wiedergeburten wieder ganz nach oben kämpfen und entdeckt dabei, dass sie irgendwie so gar nicht das perfekte Leben hatte, von dem sie immer ausgegangen ist... Dazu kommt noch, dass ihr Mann sein Leben natürlich weiterlebt und die Eifersucht ist Kims stetiger Begleiter bei ihrem Kampf ums gute Karma.

Das Buch ist einfach in einem herrlich spritzigen Stil und mit viel Humor verfasst worden. Kim sieht erstmal so gar nicht ein, dass ihr Leben ein Ende genommen hat und warum sie angeblich so viel "Mieses Karma" gesammelt haben soll. Die Misere wird ihr dann allerdings im Laufe ihrer Leben ziemlich deutlich gemacht, denn sie wird stets in der Nähe ihres alten Lebensumfeldes wiedergeboren. Es gibt nicht viele namhafte Nebencharaktere, aber darum geht es in diesem Buch auch gar nicht. Ich will das Wort "Selbstfindungstrip" eigentlich vermeiden, aber genau der ist es - und genau den hat Kim auch ohne es zu wissen ganz bitter nötig.
Eine absolute Empfehlung gibt es dafür von mir - ein super Humor (genau die richtige Mischung aus "bitterböse" und "herrlich naiv") und eine tolle Protagonistin. Dazu immer wieder die Frage vom Leser "Als was wird sie wohl als nächstes wiedergeboren?".
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David Safier: "Mieses Karma". Erschienen am 2. Mai 2008 im Rowohlt Verlag. Kostenpunkt: 8,99€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Mal wieder ein Lesetipp der guten Nicky. Ein grandioser, wie sich herausstellte!


Tess ist eine edle Dame von Stand und weiß sich bei Hofe zu benehmen und sicher zu bewegen - schließlich ist sie die Thronfolgerin! Dachte sie...
Kurz vor ihrer Hochzeit mit einem Mann, den sie noch nie getroffen hat, bricht ihre ganze Welt zusammen, denn Tess ist gar nicht die richtige Thronfolgerin, sondern ein Adoptivkind. Die wahre Prinzessin ist fernab jeglicher Attentatsversuche - für deren Fall Tess präzise trainiert wurde - in Abgeschiedenheit aufgewachsen. Für Tess beginnt eine Hetzjagd und ein Wettlauf mit der Zeit. Sie muss das Mädchen finden, bevor es die Mörder des Königspaares tun und das Königreich - ihr Königreich - übernehmen können.

Die Geschichte an sich ist schon superspannend geschrieben und lässt einen mit Tess und ihren Unterstützern mitfiebern! Noch dazu kommt eine sehr liebevolle Charakterzeichnung - Tess verliert erst sehr spät die ihr eigene Hochnäsigkeit (schließlich ist sie bei Hofe aufgewachsen!) und trotz ihrer Ausbildung im Falle eines Attentates wirkt sie zu Beginn noch sehr unbeholfen, man merkt, dass sie nie damit gerechnet hätte, ihre Fähigkeiten einmal einsetzen zu müssen.
An dieser Stelle hätte das Buch ein Abenteuer-Fantasyroman bleiben können. Aaaaber es kommt noch eine Komponente hinzu: Das Spiel. Tess hat eine Art übernatürlicher Fähigkeiten - man kann es fast magisch nennen. Dass dieser Aspekt noch mit reinkam, fand ich fast schade, denn das hatte der Roman gar nicht nötig (ich spiele dabei auf das aktuelle Überangebot an pseudo-mystischen "Junges-Mädchen-entdeckt-dass-sie-plötzlich-übernatürliche-Fähigkeiten-hat"-Romane an). 
Trotz dessen fand ich das Buch wirklich gelungen und bin absolut in der Welt von Dawn Cook versunken. Ein toller Schreibstil, eine coole Fantasywelt und ein unterhaltsamer, kurzweiliger Roman.
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Dawn Cook: "Die Tochter der Königin. Erschienen 2010 im Blanvalet Verlag. Kostenpunkt: 9,95€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Sohoo - hier mal ein Buch, das ich schon vor einiger Zeit gelesen habe und bei dem eine Rezension längst ausstand. Das vielgerühmte Abenteuer um den Hundertjährigen, der an seinem Geburtstag einfach mal aus dem Fenster stieg und verschwand...



Hier geht es um Alan. Alan ist ein sehr rüstiger alter Mann, der auf das Altsein eigentlich noch so gar keine Lust hat. An seinem einhundertsten Geburtstag steigt er darum kurzerhand in seinen Schlappen aus dem Fenster und macht sich auf den Weg. Wohin? Keine Ahnung. Erstmal an den Bahnhof. Dort begegnet er einem jungen Mann, der ihn darum bittet, kurz auf seinen Koffer aufzupassen. Weil aber Alan seinen Bus nach irgendwohin erwischen muss, nimmt er den Koffer kurzerhand mit. Und ist kurz darauf steinreich.

Das Buch war für mich ein bisschen arg abstrus. Alan begeht bei seinem "Spaziergang" aus Versehen einen Diebstahl, ist in mehrere Todesfälle verwickelt (einen davon verursacht er sogar selbst) und nimmt auch ansonsten das Leben ziemlich locker. Was beim Leser wohl als schwarzhumoriger Klamauk oder sogar spritziger Humor ankommen sollte, fand ich einfach nur geschmacklos. Allein die Konstellation der Personen, die Alan nachher begleiten, ist einfach nur... merkwürdig...
Eine "schöne Frau" mit ihrem Elefanten (!), ein Imbissbudenbesitzer und ein nicht wesentlich jüngerer Dieb, als Alan es ist bilden den festen Kern. Sie werden von einem Polizisten sowie einer kriminellen Bande verfolgt und entkommen stets auf die ungewöhnlichste Art und Weise. Dabei erfährt man so allerhand über Alans Vergangenheit und ein erhobener Zeigefinger ala "Damit man in diesem Buch auch brav was über Geschichte lernt, obwohl man gar kein Interesse daran hat!" drängt sich unwillkürlich ins Bild.
Mir hat das Buch nicht viel gegeben - ich fand die fiesen Kommentare und die Gleichgültigkeit, mit der Alan allem gegenübersteht einfach zutiefst geschmacklos und obwohl der gute Herr Jonasson zweifelsohne einen guten Schreibstil haben könnte, erscheint er mir in diesem Buch absolut unpassend. Ich kann nicht ganz verstehen, warum es dieses Buch so weit geschafft hat...
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Jonas Jonasson: "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Erschienen am 29. August 2011 bei carl's books. Kostenpunkt: 14,99€ (broschiert)

Lisa Sonnenschein
Und wieder habe ich mich an Nickys Bücherregal bedient - diesmal gab's den ersten Teil der Mythos-Academy-Reihe, "Frostkuss".



Also erstmal: Die Protagonistin heißt Gwen Frost. Warum das Cover aber so frostig gestaltet ist und das Buch ausgerechnet "Frostkuss" heißt, erschließt sich mir nicht so ganz. Gwen ist nämlich eigentlich ein sehr warmherziger und fairer Charakter mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn - leider ist sie an ihrer Schule auch ein ziemlicher Außenseiter und sehr schüchtern (bzw. sie will mit den Leuten dort einfach nichts zu tun haben...?). Sie hat die "Gabe" bei Berührung die Gedanken oder vielmehr die Gefühle anderer Menschen zu spüren. Das hilft bei kleinen Gelegenheitsjobs, wie dem Finden verlorener Gegenstände. Allerdings ist ihre Schule nicht zu dazu gedacht, ihre Fähigkeiten auszubilden - es gibt auch eine "höhere Mission" der Schüler, von der Gwen aber erstmal nichts ahnt.

Wieder haben wir hier ein Jugendbuch. Was bedeutet das? Klaaaar, es muss eine Liebesgeschichte geben *seufz*. Gott sei Dank kommt die aber erst ziemlich zum Schluss des Buches zum Tragen - dafür ist sie angemessen kitschig^^. Gwen gefällt mir in der Charakterzeichnung sehr gut, sie macht eine spürbare Entwicklung durch und wird zum Ende hin sehr mutig, obwohl sie nicht kämpfen oder sich besonders gut selbst verteidigen kann - ich führe das auch ein bisschen darauf zurück, dass sie wider ihres eigenen Erwartens an der Schule einige Freunde  findet, die sie und ihre Gabe zu schätzen wissen.
Die Handlung ist schon fast ein bisschen Kriminalroman-mäßig aufgezogen, das hat mich in meinem Lesefluss total bestärkt, weil es keinen Punkt gab, an dem man sich nicht gedacht hätte "Jetzt geh doch mal der Spur nach!" - man konnte ein bisschen miträtseln und sowieso mangelte es diesem Buch an Spannung nicht.
Aaaaaallerdings: Das Setting kam einem doch etwas bekannt vor. Harry Potter gepaart mit Percy Jackson? Eine Schule voller "begabter" Jugendlicher unterschiedlicher mythischer Herkünfte, die lernen sollen, ihre Fähigkeiten richtig zu beherrschen? Schade auch: Was ist zum Beispiel mit den keltischen Jugendlichen - so richtig beschrieben werden nur Walküren und Spartaner... Und genau die beiden spielen dann auch neben Gwen die Hauptrolle. Daphne und Logan haben mir wieder sehr gut gefallen, weil sie einfach so eine Hassliebe hervorrufen. Irgendwie wusste ich nicht genau, ob ich es nun gut fand, dass Gwen von ihnen unterstützt wird, oder schlecht (gegen Ende des Buches habe ich mich dann allerdings für gut entschieden^^).
Dieses Buch hat mich sehr zwiegespalten. Irgendwie wollte ich mehr - mehr Informationen über die Schule und die Welt, in der sich Gwen befindet, mehr coole Charaktere mit denen man mitfiebern kann, mehr spannende Situationen, in denen sie sich wiederfinden und andererseits hätte man das Buch auch wirklich noch zusammenkürzen können, weil einfach in der Geschichte nicht viel Entwicklung da ist. 
Und jetzt fragt mich mal, ob ich das Buch weiterempfehlen würde! Uff. Einerseits ja (!) und andererseits...
Der zweite Teil liegt hier - ich habe beschlossen meine Entscheidung zu vertagen und ganz erwartungs- und vorurteilsfrei an die Sache heranzugehen. Wünscht mir Glück! =)
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Jennifer Estep: "Frostkuss - Mythos Academy I" Erschienen am 12. März 2012 im ivi Verlag. Kostenpunkt: 14,99€ (broschiert)
Lisa Sonnenschein
Und wieder habe ich mich an Nickys Bücherregal bedient - diesmal landete ein Buch bei mir, von dessen Sorte ich wirklich noch nie gehört habe. Ich habe untypischerweise mit dem vierten Band angefangen, allerdings beginnt genau da ein neuer Storystrang, weshalb man wirklich nicht mitten in der Geschichte landet, sondern ohnehin als Leser mit neuen Charakteren durchstartet.



Im Buch geht es um Eadlyn, sie ist die Tochter des Königspaars, das über ein recht zerrüttetes Königreich herrscht. Zerrüttet darum, weil vor nicht allzu langer Zeit das Kastensystem dort abgeschafft wurde und daraus eine Menge Unruhen und sogar Aufstände entstanden sind. Ihre Eltern fragen Eadlyn, ob sie sich einem "Casting" unterziehen würde. Das haben die beiden auch schon sehr erfolgreich hinter sich - dabei geht es tatsächlich um die Auswahl des richtigen Partners für den Thronfolger ("Der Bachelor" für tatsächlich wichtige Leute^^). Eadlyn hat darauf allerdings so gar keine Lust, beugt sich aber dem Wunsch ihrer Eltern, um das Volk von politischen Unstimmigkeiten abzulenken. Allerdings geht sie auch entsprechend unmotiviert an die ganze Sache heran. Das wird ihrem Ruf als geeignete Thronfolgerin bald zum Verhängnis...

Die Geschichte ist sehr hübsch geschrieben - ganz toll fand ich die Charakterzeichnung! Die Charaktere sind soo verschieden, aber in jeden kann man sich hervorragend hineinversetzen und mit ihm mitfühlen. Das gilt besonders für die "Jungs", die zum Casting eingeladen werden. Die Liebesgeschichte steht bei dem Setting natürlich nicht aus. Abgesehen davon, dass ich davon ja ohnehin nicht so der Freund bin, hält es sich hier wirklich in Grenzen. Gut, natürlich kommt ihr der am nächsten, mit dem niemand für das Casting gerechnet hat und den sie natürlich nicht ausstehen kann - da haben wir das Klischee, das für die Story wohl irgendwie prädestiniert war... Trotzdem ist das Buch auch von der Geschichte her sehr liebevoll geschrieben und wenn man damit leben kann, dass ungefähr absehbar ist (auch nicht immer - ich will nicht gemein sein!) was passiert, dann ist man hier auf jeden Fall richtig. Eadlyn geht mir zwischenzeitlich mit ihrem Gehabe ein bisschen auf die Nerven, aber auch bei ihr konnte ich mich nach diesen anfänglichen Schwierigkeiten schnell in den Charakter einfinden. Sie entwickelt sich auf jeden Fall absolut bemerkenswert und aus der hochnäsigen Rotzgöre wird nach einiger Zeit ein warmherziges Mädchen, dass es gut schafft, auf jeden Bewerber persönlich einzugehen. Ein unterhaltsames Buch, weitere Teile davon werde ich allerdings wohl erst einmal nicht lesen - dazu hat zu viel irgendwie nicht gepasst.
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Kiera Cass: "Selection - Die Kronprinzessin". Erschienen am 23. Juli 2015 im Fischer Verlag. Kostenpunkt: 16,99€ als Hardcover.

Lisa Sonnenschein
Dieses Buch ist ausnahmsweise mal nicht aus Nickys Bücherregal entführt, sondern war tatsächlich eine Errungenschaft vom Flohmarkt. Das gute Stück ist mir kurz vor meinem Flug in die Türkei in die Hände gefallen und weil auf der Rückseite "Eine Liebeserklärung an die Stadt Istanbul" stand, musste ich es einfach mitnehmen. ;)



In dem Buch geht es um Galip. Galip stellt eines Tages fest, dass seine Ehefrau und sein Cousin (gemeinsam?) verschwunden sind und begibt sich auf die Suche. Seiner Familie erzählt er etwas von der plötzlichen Krankheit seiner Frau und schafft sich so den Raum für seine "Ermittlungen".
Das ganze wird dann tatsächlich so ein bisschen Kriminalroman-mäßig aufgezogen und Galip entdeckt immer neue Hinweise auf den Verbleib seiner Frau.
Das Großartige an dem Buch ist allerdings die Beschreibung der Stadt Istanbul (Liebeserklärung und so, hm?). Der Protagonist verliert sich oft in den Gassen und beschreibt Plätze genau - es ist einfach ein tolles Erlebnis, sich dort wiederzufinden. Ich habe das Buch zu Beginn meines Auslandssemesters in Izmir angefangen und währenddessen immer mal wieder weitergelesen - ich muss sagen, so ein kleiner Einblick in die türkische Kultur ist da schon sinnvoll. Man erkennt sonst einfach viele Speisen oder Orte nicht. Für mich war es einfach großartig, die Stadt Istanbul noch einmal zu erleben, obwohl ich schon gar nicht mehr da war...!
Der Schreibstil von Orhan Pamuk ist nicht ganz einfach und die Atmosphäre im Buch ist ziemlich düster und nimmt einen sehr mit. Außerdem bringt er die Konflikte zwischen westlich-moderner und alteingesessen-traditioneller Türkei, die auch ich dort sehr stark spüren konnte, durch symbolische Unterhaltungen und kleine Gleichnisse einfach fantastisch rüber. Das Buch ist auf keinen Fall etwas für den Strandkorb. Wer allerdings eine gewisse Verbindung zur Türkei hat und sich auf diesen detaillierten, tiefgehenden Schreibstil (mit gelegentlichen philosophischen Ausbrüchen) einlassen kann, ist hier absolut richtig! Klare Empfehlung auf jeden Fall von mir.
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Orhan Pamuk: "Das schwarze Buch". Erschienen am 10. Juni 2008 im Fischer Taschenbuch Verlag. Kostenpunkt: 10,95€ als Taschenbuch.