Lisa Sonnenschein
Ich muss sagen, seit langer Zeit habe ich nichts Lustiges mehr gelesen - mit diesem Buch hat sich das geändert und ich hätte nie gedacht, dass ich mal so über ein Buch kichern würde! :P
Das folgende Video startet auch gleich mit meiner Rezension dazu:


Der Roman verbindet Mystery- mit Comedyelementen. Kurzum: Es geht um Monsterjäger. Dem Klischee entsprechend sind die ja groß, muskulös und natürlich ausreichend trainiert, um todbringenden Bestien ein schnelles Ende zu bereiten. All das ist Klaus Holger nicht. Er ist leicht untersetzt, unsportlich und ein bisschen schlampig. Trotzdem soll er die Welt vor dem Bösen retten. Dazu bekommt er auch noch eine fähige Begleiterin an die Seite gestellt.

Das Buch ist wirklich von Anfang an zum Brüllen komisch! Die Mischung aus "Klaus Holger gegen das Böse" und "Geschichten aus dem Leben des Klaus Holger" hebt sich voneinander durch ein Tempuswechsel ab und bringt immer wieder frischen Wind in die Story. Die klingt auf den ersten Blick vielleicht flach, entwickelt sich aber super weiter und trotz fast alberner Slapstickeinlagen bleibt die Geschichte suuuuuperspannend! Die Anzahl der Charaktere ist überschaubar, Klaus Holger und seine todesmutige Begleiterin Kunigunde (der beste Sidekickcharakter seit Dori in "Findet Nemo!") stehen im Mittelpunkt und sind sehr liebevoll und stringent beschrieben. Und am Ende ist sogar Klaus ein kleines bisschen Held.
Der Humor ist teilweise derb - spielt mit Klischees, verweist und vereimert und der dialektsprechende Vater des Protagonisten regt zum Laut-vorlesen an (an dieser Stelle sei auch die Existenz eines Hörbuches angemerkt, das natürlich suuuperviel für das Buch tut, wie Guido Maria Kretschmer sagen würde!). Ich hatte während meiner Lesephase grade Semesterferien-Besuch da und meine Freundin hat mich immer mal wieder verstört angeguckt, wenn ich unkontrolliert in der Gegend herumgekichert habe.
 
Für mich ist der Protektor ein wirklich gelungenes Buch mit gewagtem Genre-Querschnitt. Funktioniert für mich total, kann ich empfehlen, würde ich wieder lesen, klasse!
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Andre Wiesler: "Protektor - Monsterjäger mit Sockenschuss". Erschienen am 21. März 2016 im Torsten Low Verlag. Kostenpunkt: 14,99€ broschiert, 6,99€ als E-Book.
 
Lisa Sonnenschein
Hier haben wir ein Buch, das mir beim Durchstöbern von Nickys Bücherregal in die Hände gefallen ist. Untote sind ja bekanntlich immer gut^^. Dachte ich...

In diesem Buch geht es hauptsächlich um Roberta genannt Bobby, die mit ihrer Klasse einen Schulausflug macht, von dem die meisten Jugendlichen nicht zurückkommen werden... In einer Raststätte geschieht dann das Unmögliche - auf den Schulbus kommt tatsächlich ein... - ...Zombie zugewankt!

Das Buch verfolgte für mich einfach jedes Klischee. Die flüchtende Teeniegruppe besteht aus Bobby (Mauerblümchen/Außenseiterin), dem Rebellen, dem dicken Nerd und der Tussi. Die Gruppe will das Ende der Welt erst natürlich nicht wahrhaben, sucht sich dann aber einen Unterschlupf und versucht irgendwie Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Dann passiert auch nicht mehr viel. Man findet heraus, wie alles seinen Anfang nahm, flüchtet hier, misstraut anderen Überlebenden da und immer wieder kreischt die Tussi laut beim Anblick von Was-auch-immer. Noch dazu kommt eine angedeutete Lovestory (natürlich!) zwischen zwei Charakteren, die für mich irgendwie so gar nicht zusammenpassen. Das macht sämtliche "Hachja, vielleicht findet er mich ja doch ganz nett?!"-Gedanken des entsprechenden Mädels von Anfang an unrealistisch. Das Ende ist dann nach dem Einbringen der obligatoischen Gegenmittel-Formel offen und schreit ähnlich laut wie die Tussi im angesicht eines Zombies nach einer Fortsetzung. Wenn die dann allerdings genauso klischeehaft und berechenbar abläuft, wie dieser Teil, lehne ich dankend ab.
Ich konnte der Geschichte wirklich nichts Neues abgewinnen - wenigstens war die Protagonistin aber sehr sympathisch. Ansonsten leichte Lektüre, für mich aber uninteressanter Stoff.
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Kirsty McKay: "Untot - Lauf, solange du noch kannst". Erschienen am 27. November 2012 bei Chicken House. Kostenpunkt: 14,95€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Ich habe ENDLICH mal wieder ein Buch von einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen gelesen!

"Lebendige Schatten" ist der zweite Teil der Reckless-Trilogie von Cornelia Funke. Vor hunderttausend Jahren hatte ich auch den ersten Teil davon mal gelesen, konnte mich aber so überhaupt nicht mehr an den Inhalt erinnern. Nicht schlimm!
In diesem Teil geht es um Jacob, der zwar seinen Bruder Will (ich finde es ja großartig, dass sie die Grimm-Vornamen benutzt!) vor der völligen Versteinerung gerettet, dafür aber einen hohen Preis bezahlt hat. Er ist von der Dunklen Fee unheilbar verflucht und eine Motte auf seiner Brust droht, sein Herz zum Stillstand zu bringen. Jacob hat schon sämtliche Heilmittelchen ausprobiert. die ihm geläufig sind. Es gibt da aber vielleicht noch eine Möglichkeit, einen Mythos, nicht mehr als eine Lagerfeuergeschichte...

Die Story ist konstant spannend, denn es gibt wieder neue Winkel der Spiegelwelt zu entdecken =). Neue Kreaturen, neue Legenden und neue Schätze, denen Jacob hinterherjagen kann/muss (oder ich hab' einfach zu viel wieder vergessen!). Mit dabei ist natürlich wieder Fuchs, die wunderbare Gestaltwandlerin, die ich im ersten Teil schon sooo ins Herz geschlossen habe. Außerdem dabei: Ein gieriger Zwerg mit harter Schale, ein rotznäsiger Prinz, ein ausgestoßener Schatzjäger, ein Wassermann und Viele mehr. Die Welt und die Charaktere sind Funke-mäßig mit Liebe für's Details ausgearbeitet und ich habe (fast) alle richtig liebgewonnen - wer aber gar nicht auf die totale Highfantasy steht, für den ist das Buch (wie auch das Erste^^) so gar nichts. Ich bin völlig darin versunken und gedanklich über grüne Wiesen und durch finstere Wälder gehüpft. Klasse sind auch die kleinen Anspielungen - zu anderen Märchen, zu Büchern und den Charakteren daraus. Und bei all dem Drumherum schafft es die gute Frau Funke sogar, mich während eines spektakulären Showdowns nochmal mit einer wüsten Wendung zu schocken! Toll! So wünsche ich mir ein Buch - das nächste muss jetzt ganz schnell her ;)
Und wer der mysteriöse Earlking ist - da habe ich auch schon eine Idee...! 
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Cornelia Funke: "Reckless - Lebendige Schatten". Erschienen am 6. September 2012 im Dressler-Verlag. Kostenpunkt: 19,95€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein
So viele Menschen haben mich nach meinem Bücherregal gefragt... Nickys Ruf bin ich schließlich gefolgt, sodass ihr hier unter anderem meine kleine Buchsammlung findet - für eine Bloggerin ziemlich unspektakulär? Jep! :P


Lisa Sonnenschein
Ich hab's getan! Ich habe mich trotz des ziemlich danebengegangenen Vorgängerbuchs (Uh, Genitiv!) an den dritten Teil gewagt - und wurde nicht enttäuscht!
Die Videorezension gibt es ab Minute 0:54 zusammen mit der Nicky. Wir haben zusammen gelesen und gelitten und uns natürlich begeistert über das Happy End gefreut =)!


Auch in diesem Teil schließt die Handlung nahtlos an den vorhergehenden Teil an. Die "Childrens League", der Ruby immer noch angehört, befindet sich noch im völlig zerstörten Hauptquartier in L.A. und muss aber schleunigst von dort verschwinden - denn die fiesen Schergen der Regierung sind ihnen schon auf den Fersen...
Der Großteil der Handlung spielt sich dann tatsächlich in einem Geheimversteck der League ab, allerdings ist die League dann schon gar nicht mehr so richtig die League (Mehr Infos rücke ich nicht raus^^). Im Mittelpunkt steht die Suche nach dem Gegenmittel zur mysteriösen Katastrophen-Krankheit uuuund natürlich auch die Beziehung zwischen Ruby und Liam. 
Das ist ein Punkt, der mir in diesem Teil ein wenig auf den Senkel gegangen ist... Sie sagt ihm irgendwas nicht: Er ist sauer und schweigt sie an. Er sagt ihm irgendwas nicht: Sie ist sauer und schweigt ihn an. So geht das die ganze Zeit hin und her und dann ist da irgendwie auch noch Liams großer Bruder, der nicht so recht ins Bild der perfekten Beziehung passt. Schwierig. (Zu meiner Verteidigung: Ich mochte die junge Liebe zwischen Liam und Ruby in den ersten beiden Teilen trotz "Kitschigkeit" wirklich gerne! Es ist eigentlich ein Wunder und ein Qualitätsmerkmal, dass es mich erst jetzt nervt̂.)
Ansonsten ist das Buch ein ziemlicher Wälzer - 608 Seiten! Die braucht die Autorin allerdings auch, um von "Ach du gute Güte, was eine verfahrene Situation" zu einem logischen Abschluss zu kommen. 

Insgesamt ist das Buch ein absolut gelungener Abschluss der Reihe - irgendwie schafft es die Autorin, auf den letzten 100 Seiten alles zu einem (sinnvollen!) Ende zu bringen und den Spannungsbogen bis dahin zu halten. Klasse!
Die Charakterentwicklung ist bemerkenswert und besonders Clancy ist hier so ein richtiger "Noch-ein-Wort-und-ich-erwürge-dich!!"-Charakter!
Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich mich durch den zweiten Teil durchgekämpft habe - der hat mich ja leider nicht so richtig überzeugt - und kann das Buch als gemütliche Bettlektüre nur empfehlen.
Nur noch eine Bemerkung zum Schluss:
Liebe Alexandra Bracken, bitte rühr' nicht in den Sprachwissenschaften rum - selbst Psycholinguisten können dir nicht sagen, wo genau im Gehirn das Sprachzentrum liegt. Diese Erklärung im Roman hat mich wirklich gestört - aber ich hab' sie tapfer ganz schnell überlesen! ;)
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Alexandra Bracken: "Blut und Feuer - Die Überlebenden 3". Erschienen am 15. Februar 2016 im Goldmann Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Hier mal wieder was völlig anderes - ein Gesellschaftsroman mit ganz viel Tiefgang =)



Im Video findet ihr meine Rezension dazu bei Minute 20:51 - das ist in der Videobeschreibung auch nochmal nachzulesen.

In "Die Glücklichen" geht es um Isabell und Georg. Die beiden sind verheiratet und haben einen kleinen Sohn - der ist einfach zum Fressen, denn er fängt grade an zu laufen und ist einfach ein richtiger Sonnenschein.
Der Roman zeichnet Szenen einer Ehe. Der Leser bekommt Stück für Stück mit, wie die Begeisterung aus der Beziehung entweicht, wie der Alltag immer schwieriger wird, wenn man zur "unteren Mittelschicht" gehört, der Job auf der Kippe steht und genauso das bisher gewohnte Umfeld.

"Die Glücklichen" vermittelt einfach eine fantastische Atmosphäre - die Handlung ist in dem Buch gar nicht so spektakulär, es passieren keine großen Katastrophen und keine Riesenunglücke, die aus den handelnden Charakteren Protagonisten machen würden. Trotzdem habe ich in jedem Satz mitgelitten - mit jeder abgelehnten Bewerbung, jedem verpatzten Auftritt, jedem Verhandeln über einen Umzug auf's Land, weil man sich eine Stadtwohnung nicht mehr leisten kann... Und ich habe mich dabei erwischt, genauso in die Fenster zu schielen und meine Einrichtung mit der anderer Leute zu vergleichen und ihre Beschwingtheit zu beobachten, wie Isabell.
Gezeichnet wird ein Bild über "sozialen Abstieg", der jedem von uns genau so geschehen könnte und der genauso in der Gesellschaft geschieht!
Das Buch hat mich wahnsinnig beeindruckt und seine von Anfang an drückende Stimmung hat mich zum Nachdenken gebracht und mich nachhaltig beeinflusst. Hier haben wir ein zu recht ausgezeichnetes Debüt einer tollen Autorin!
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Kristine Bilkau: "Die Glücklichen". Erschienen am 16. März 2015 im Luchterhand Literaturverlag. Kostenpunkt: 19,99€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein
Es bleibt philosophisch! Hier mal was ganz Spezielles...:



Die Videorezension findet ihr bei Minute 28:47 - das steht aber ganz genau nochmal in der Videobeschreibung.


Der Klappentext des Buches verspricht relativ viel: Eine komplett neue Art Camus zu lesen. Vorweg -  diese Versprechung kann das Buch nur bedingt einlösen. 
Aber beginnen wir am Anfang. 

“Im Namen der Freiheit” stellt den Lebenslauf des berühmten Philosophen Camus seiner Philosophie gegenüber. Es beginnt bei Camus Kindheit und flechtet verschiedene Anekdoten und biografische Erlebnisse ein, um schließlich daraus verschiedene Grundpositionen (etwa gegenüber Todesstrafe, Barbarei etc.) zu erklären. 
Ein Grundwissen wird dabei allerdings auf jeden Fall vorausgesetzt, da viele Begriffe oder Bezüge (etwa auf de Beauvoir, Satre oder Nietzsche) nicht immer selbsterklärend sind bzw. oft wechselnd auftretende Charaktere wie Camus Mutter, Vater, Großmutter, Grundschullehrer, etc. dann zusätzlich verwirrend sein können. Insgesamt ist der Schreibstil aber sehr angenehm und regt zum Lesen und Nachdenken an. Viele Abschnitte sind außerdem geradezu grandios zum Zitieren geeignet: “Früher wurde geschrieben um gelesen zu werden heute um nicht verstanden zu werden.” 
Zudem sind alle Kapitel sehr knapp gehalten und nehmen selten mehr als drei Buchseiten ein. In jedem wird ein kurzer biografischer Bezug genommen, eine Geschichte erzählt oder Zusammenhänge deutlich. Das macht es zwar praktisch zum Beispiel für das Lesen vor dem Einschlafen oder unterwegs, jedoch rächt es sich manchmal, wenn man das Buch längere Zeit liegenlässt, weil oft auf Inhalte aus den vorrangegangenen Kapiteln nochmal Bezug genommen wird. Insgesamt ist das Buch gut strukturiert und führt immer auch Werke und Textstellen in Camus Originalwerk an. Auch wird öfter auf aktuelle Camusforschung eingegangen und wirklich kritisch hinterfragt. 
Ein sehr lesenswertes Buch - auch wenn selbst mit philophischer Grundkenntnis der Einstieg nicht ganz leicht fällt, entwickelt sich das Buch schnell und gut und bringt einige neue Sichtweisen und biografischen Zusammenhänge, die selbst bei einer akademischen Spezialisierung auf Existenzphilosophie und Camus nicht ganz offensichtlich sind.
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Michel Onfray: "Im Namen der Freiheit". Erschienen am 8. September 2015 im btb Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ als Taschenbuch.