Lisa Sonnenschein
Dieses Buch ist erschienen, als ich gerade mal zwei Jahre alt war. Das erklärt auch, warum es trotz meiner "Hohlbein-Phase" (so mit 14) völlig an mir vorbeigezogen ist! Die Videorezension für dieses Buch startet bei Minute 5:19.


Meine Leseerfahrungen Hohlbein betreffend beschränken sich auf Heile-Welt-Jugendfantasy mit ein bisschen Kitsch und vielleicht einer kleinen Liebesgeschichte. Das trifft auf dieses Buch so überhaupt nicht zu! 

Wir begleiten den (unheimlich sympathischen) Warstein auf seiner Reise zurück in seine Vergangenheit. Der ziemlich verwahrloste Trinker hat alles verloren: Seinen guten Ruf, seinen Job, sein abgesichertes Leben. Umso schwieriger ist es jetzt für ihn, an den Ort zurückzukehren, an dem das alles begann.

Die Geschichte hat etwas Apokalyptisches. Es geht um Weltuntergang, Verlust des Raum-Zeit-Kontinuums (Nein, man muss kein Astrophysiker sein, um das Buch lesen zu können), bedrohliche Wetterphänomene und vielleicht auch ein bisschen Magie? Der Eisenbahntunnel in der Schweiz, um den sich alles dreht, hat jedenfalls nichts mit den Glitzerfeen-Fantasiereichportalen zu tun, die ich so erwartet habe. Im Gegenteil musste ich beim Showdown eher an Dantes Inferno denken...

Trotzdem war das Buch für mich spannend und gut geschrieben. Abgesehen von einzelnen Längen konnte ich gut folgen und die Story war nachvollziehbar und stringent. Die Charaktere sind schön gezeichnet und der Antagonist ist so ein richtiger Widerling! Der größte Kampf der Helden findet allerdings nicht gegen diesen oder das "Was-auch-immer-in-diesem-Tunnel-ist" statt, sondern gegen sich selbst und den eigenen Unglauben (übrigens ein Problem, das ich wohl auch hätte...). Das ist gleichzeitig sehr frustrierend zu lesen und andererseits aber absolut glaubhaft.

Ihr merkt, ich weiß nicht so richtig, was ich von diesem Buch halten soll. Es hat mich nicht vollständig überzeugt, aber ich kann auch nicht benennen, was mich gestört hat. Es gibt sicherlich Menschen, die begeistert davon sind - für meine erste Hohlbein-Erfahrung nach 10 Jahren war es etwas ernüchternd.
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Wolfgang Hohlbein: "Das Druidentor". Erschienen (in der Neuauflage) am 2. Mai 2016 im Piper Verlag. Kostenpunkt: 14,00€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Es ist der zweite Teil dieser wunder-, wunderbaren Fantasy-Trilogie. Und er war wunderbar! Die Rezension zum ersten Teil findet ihr hier. 
Und das folgende Video beginnt ab Minute 1 gleich mit meinem euphorischen Erguss^^


Okay - ich fange mal mit dem Inhalt an, bevor ich mich hier total verzettele...
Kelsey (unsere Heldin mit dem doofen Namen aus dem ersten Teil) sitzt also auf dem Thron und sieht sich mit einer Armee konfrontiert, die sie unmöglich mit konventionellen Methoden aus ihrem Königreich fernhalten kann.

Kelsey macht in diesem Teil eine unglaubliche Charakterentwicklung durch - sie wird aber auch kontinuierlich mit absoluter Hoffnungslosigkeit konfrontiert. Außerdem begegnet sie dunklen Mächten (aber dazu sag' ich jetzt nichts mehr^^).
Außerdem neu ist der "historische Hintergrund", den wir endlich erfahren. Im ersten Teil war es noch ein deutliches Manko, dass man als Leser keine Ahnung hatte, wie diese Parallelgesellschaft Tearling überhaupt entstehen konnte. Das erfahren wir jetzt mithilfe von Lily, einer wahnsinnig tollen "Zweitprotagonistin", die ich sehr ins Herz geschlossen habe. Sie lebt in der Gesellschaft VOR der Überfahrt und scheint irgendwie mit Kelsey verbunden zu sein.

Ich konnte dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Wirklich. Es hat mich wie der erste Teil auch richtig mitgenommen und weil die alten tollen Charaktere wieder dabei sind und neue tolle Charaktere hinzukommen, habe ich mich auch so richtig "begrüßt" gefühlt. Danke für dieses Buch - der dritte Teil erscheint am 29.11. als Hardcover in Amerika. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ob ich auf die Übersetzung warten kann :D
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Erika Johansen: "Die Königin der Schatten - Verflucht". Erschienen am 16. Mai 2016 im Heyne Verlag. Kostenpunkt: 14,99€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Freunde der Nacht, mein ERSTER Fitzek!
Asche auf mein Haupt, bis jetzt hat es sich einfach nicht ergeben... Und jetzt habe ich ihn doch mal zur Hand genommen - und gleich verschlungen!

Was für ein Buch! Wir begleiten aus wechselnder Perspektive verschiedenste Passagiere eines großen Kreuzfahrtschiffs. Da ist die Mutter mit der Gruftitochter, der Kapitän, der unbedeutende Dieb, der sich durch die Kabinen stiehl usw. Die Charaktere haben im Verlauf des Buches alle eine unterschiedliche Bedeutung und Geschichte - am häufigsten begleitet uns der knallharte Cop Martin, der allerdings noch sehr unter dem Verlust seiner Frau und seines Kindes leidet...
Thematisch dreht sich alles um die Menschen, die zu Beginn einer Kreuzfahrt das Schiff besteigen, es aber nie mehr verlassen - durchschnittlich gibt es davon 23 im Jahr.

Das Buch ist wahnsinnig gut recherchiert. Wusstet ihr, dass es einen Anwaltsverbund gibt, der sich ausschließlich mit Schadenersatzklagen der Angehörigen von Auf-See-Verschwundenen beschäftigt? Ich auch nicht^^. 

Was soll ich sonst noch sagen? Der Schreibstil ist fantastisch - spannend, aber nicht düster/morbide. Es gibt keine Längen, ich konnte es einfach nicht mehr aus der Hand legen! Die Sachzusammenhänge entdröseln sich Stück für Stück und erst ganz am Ende erfährt man auch den letzten Rest Geheimnis (oder doch nicht?). Sehr positiv überrascht war ich davon, dass der Leser zwar einen Wissensvorsprung gegenüber dem "Ermittler" hat, einen das aber so gar nicht weiterbringt... Auch die Wendungen im Buch haben mich kalt erwischt und es gab gleich mehrere "Was zum heiligen...!" Momente.

Mein Fazit also: Ein Must-Read! Das Buch hatte für mich alles, was ein guter Thriller braucht und ich empfehle es auf jeden Fall weiter. Der nächste Fitzek liegt hier schon...!
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Sebastian Fitzek: "Passagier 23". Erschienen am 29. Oktober 2015 im Knaur-Verlag. Kostenpunkt: 9,99€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Vor Kurzem fragte mich eine Freundin, ob ich diese ganzen Bücher, über die ich schreibe, eigentlich auch lese und wann!

Die Frage spukt mir seitdem im Kopf herum und ich versuche hier mal, sie zu beantworten. =)

Lese ich all die Bücher auch ganz bis zum Ende?

NATÜRLICH lese ich all die Bücher, über die ich schreibe. Ich habe in meinem Leben genau zwei Bücher niemals beendet. Das sind "Wer bin ich und wenn ja wie viele" von Richard David Precht, weil dieses Buch mit absolut nichts geben konnte und außerdem "Der Herr der Ringe" (zweites Buch), weil ich irgendwann keine Lust mehr hatte, mir 30 Seiten lange Lieder und Landschaftsbeschreibungen von Mordor durchzulesen. [Anmerkung: Ich war noch sehr jung, als ich den Herrn der Ringe gelesen habe, aber meine Mama hat drauf bestanden, dass ich den Film nicht eher anschaue, als bis die Bücher gelesen sind ;)]

Warum schaffe ich so viel in so kurzer Zeit?

Ich bin eine sehr schnelle Leserin - kennt ihr das, wenn einem beim Lesen eine kleine Stimme im Kopf "vorliest"? Die hab' ich nicht^^ Mein Kopf kann also nur so über die Zeilen fliegen, ohne, dass er vorher jedes einzelne Wort formulieren müsste.

Wo ist der Haken?

Als Preis für Punkt 2 vergesse ich Buchhandlungen auch ziemlich fix wieder. (Dazu kommt noch mein echt MIESES Namensgedächtnis) Wenn man mich also 6 Monate nach dem Lesen eines Buches fragt "Sag mal, weißt du noch, was Buchcharakter x im Buch y an Stelle z gemacht hat?", dann wird die Antwort höchstwahrscheinlich ein "Ehh..." sein - ich kann euch aber noch sagen, ob mir das Buch gefallen hat, oder nicht und worum es ging ;)!

Wie rettet man trotzdem die Erinnerungen?

Wenn man mit dem Lesen so flott ist wie ich und gleichzeitig aber ein Kurzzeitgedächtnis hat, ist Dokumentation das A und O! Ich habe eins dieser wunderbaren Buchtagebücher, in dem ich nach jedem Buch Titel, Autor, Lesedatum und (ganz wichtig!) die Namen der Protagonisten und wie es mir gefallen hat, eintrage. Schulnoten kann ich da auch vergeben. Auf die Art weiß ich auch noch nach ewigen Zeiten, um welche Rahmendaten es geht. Das Führen eines Blogs mit Rezensionen zu jedem Buch ist für diesen Punkt natürlich auch nicht ganz unpraktisch ;)!

Soviel zu mir - ich würd' mich über Feedback freuen! Habt ihr eine "Innere Vorlese-Stimme"? Wie flott seid ihr beim Lesen eines Buches? Bin ich die Einzige, mit 'nem miesen Gedächtnis?
Lisa Sonnenschein
Der Debütroman dieser Autorin hatte im englischsprachigen Ausland bereits großen Erfolg. Übermorgen wird schließlich die deutsche Übersetzung erhältlich sein - der Thriller setzt sich mit einer Kindesentführung auseinander und stellt dabei besonders die Medienschlacht darum herum in den Vordergrund.

Jean war glücklich mit ihrem Mann Glen. Bis er eines Tages der Kindesentführung bezichtigt wird - die kleine Bella ist aus dem Garten ihres Hauses verschwunden und als die Polizei Glen beschuldigt, stürzen sich die Reporter wie ausgehungerte Wölfe auf das Haus der Eheleute. Jean weiß nicht mehr, was sie überhaupt noch glauben soll.

Die Charakterzeichnung in diesem Buch ist sehr gelungen. Jean ist ein schüchternes Haus"fräuchen", immer unter der Knute ihres Ehemannes, nicht aufbegehrend oder neugierig. Das ändert sich im Laufe der Geschichte jedoch und sie übernimmt zunehmends Verantwortung. Glen tritt als Despot auf - überhaupt gibt es in diesem Buch eigentlich keine Figur, die mir so richtig sympathisch war. Der Hauptermittler gibt willkürlich Fakten an die Presse weiter, die rasende Reporterin tut (klischeehaft) alles für ihre Story. Zwar entwickeln sich die Protagonisten merklich, allerdings ändert das nicht unbedingt etwas an der Antipathie, die ich ihnen gegenüber empfinde. Die Beziehungen zwischen den Romanfiguren sind dabei allerdings sehr authentisch - besonders überzeugend fand ich die traumatisierte Mutter von Bella und ihre Innensicht, die man Stück für Stück erfährt.
Das Buch ist aus verschiedenen Blickwinkeln geschrieben - das jedoch nicht konsequent. Der Erzähler bleibt auktorial und es wird auch schonmal in einem Kapitel mit der Überschrift "Der Polizist" in die Sicht der Mutter des entführten Kindes gewechselt.

Der Sprachstil ist angenehm erwachsen - das passt auch zur Story, die sich eher allmählich entwickelt. Wer auf der Suche nach rasanten Verfolgungsjagden und blutigen Auseinandersetzungen ist, ist hier definitiv nicht an der richtigen Adresse. Man merkt vielmehr, dass die Autorin als Gerichtsreporterin tätig war - die mediale Auseinandersetzung mit dem Fall und die rhetorischen Schlachten vor Gericht nehmen eine wesentlich größere Rolle in dem Buch ein, als die Auflösung des Falles an sich.

Insgesamt hat mir das Buch recht gut gefallen. Der Fokus ist hier mal ein anderer und auch wenn die Story vereinzelt Längen hat - die Glaubwürdigkeit ist gewahrt. Ich würde der Autorin auch abnehmen, dass sie als Journalistin den Fall genau so erlebt hat. So richtig gepackt und durchgebeutelt hat mich die Autorin mit diesem Debüt allerdings leider nicht.
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Fiona Barton: "Die Witwe". Erschienen am 21. Mai 2016 im Wunderlich Verlag. Kostenpunkt: 16,99€ broschiert.
 
Lisa Sonnenschein
Dieses Buch ist mir mal wieder bei der lieben Nicky über den Weg gehüpft und Teil einer gefühlt hundertbändigen Jugendbuchreihe... ;)

In dem Buch lernen wir Arthur kennen. Der ist ein wunderbar sympathischer Protagonist, etwas schmächtig, hochgradig asthmatisch, kein typischer Held, aber nicht auf den Kopf gefallen. Durch einen blöden Zufall gerät er an einen Schlüssel, der ihm mehr Macht verleiht, als dem Vorbesitzer lieb gewesen wäre und Arthur taumelt geradewegs in eine steampunkige Welt voller Rätsel und Magie... Aber auch seine Ursprungswelt braucht dringend seine Hilfe und Arthur muss sich bald entscheiden, wo er hingehören möchte.

Die Charaktere sind allesamt unglaublich liebenswert. Besonders ins Herz geschlossen habe ich die chaotische Susi, die ein Talent dafür hat, genau im richtigen Moment aufzutauchen und Arthur beizustehen. Auch die Antagonisten sind herrlich fies - besonders  der gemeine Montag Mittag hat mir so  manchen  Schauer über den  Rücken gejagt und  sein gruseliges Flammenschwert geschwungen. Die Geschichte besticht mit Action (Verfolgungsjagden, eine wilde Flucht, üble Kämpfe) und Magie (mystische Wesen, eine geheimnisvolle Treppe durch die Zeit und magische Gefängnisse). 

Ich habe keine Ahnung, warum mich dieses Buch nicht völlig vom Stuhl geschmissen hat - die Welt ist cool, die Charaktere sind cool, die Story ist cool.  Trotzdem ist das Buch total an mir vorbeigezogen, ohne einen wirklich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Ob der nächste Teil daran etwas ändern kann? Keine Ahnung, aber den Versuch ist es definitiv wert^^!  
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Garth Nix: "Schwarzer Montag". Erschienen am 14. Oktober 2008 bei Bastei Lübbe. Kostenpunkt: Unbekannt, da nur in neuer Auflage verfügbar.

Lisa Sonnenschein
Ich hatte die Ehre dieses Buch lektorieren und so noch vor Veröffentlichung komplett lesen zu dürfen. Wer mich kennt, weiß allerdings, dass ich deswegen nichts beschönigen werde! Hier kommt also meine Rezension zum neuesten Werk der lieben Nicky ;)


In diesem Buch geht es hauptsächlich um Noel. Noel ist nicht gerade ein Zauberlehrling, wie er im Buche steht. Ständig geht etwas zu Bruch, explodiert oder stürzt ein, wenn er versucht seine Magie einzusetzen. Dabei macht er das teilweise noch nicht einmal extra! Glücklicherweise steht Noel kurz davor, seine Gelehrtenprüfung endgültig zu versemmeln und als freier Mann mit einer Magiesperre durch die Welt ziehen zu dürfen. Aber dann kommt alles anders, als er denkt...

Noel ist ein wunderbarer Protagonist! Von der ersten Seite an hatte ich ihn in mein Herz geschlossen und so richtig mitgelitten, wenn mal wieder etwas schiefging. Dieses Buch hat drei Dinge geschafft, die ich bei sonstigen Fantasybüchern IMMER zu kritisieren habe.
1. Es geschieht eine Wendung, die ich nicht einmal im Ansatz habe kommen sehen. Es hat mich genommen, durchgeschüttelt, mir eine Kopfnuss verpasst und mich total verduzt auf dem Bett sitzen lassen!
2. Es gibt keine superkitschige Liebesgeschichte, die einen auf den letzten Seiten nochmal würgen lässt. Ihr wisst schon - aus der Kategorie "Mauerblümchen trifft Bad Guy, hasst ihn erst und findet ihn dann aber total heiß"
3. Der Schreibstil ist von Anfang an konsistent und locker. Ich habe sehr viel geschmunzelt und ich glaube, der Stil des Buches hat mich Noel auch so lieben lassen.

Zur Geschichte darf ich jetzt nicht mehr viel sagen - nur so viel: Das Buch hat meine Erfahrungen zum Thema "Drachen in Fantasybüchern" total entstaubt - und ein bisschen weinen musste ich auch...
Das kleine Büchlein ist Teil einer Reihe, bei der jeder Teil erschwinglich bleiben soll und ich finde es trotz dieser Kürze unheimlich gelungen. Von mir gibt's dafür ganz viele Herzchen und ein Einhorn und ich freue mich schon total auf den nächsten Teil! <3
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Nicky P. Kiesow: "Noel und Noelle". Erschienen am 24. April 2016 bei Create Space. Kostenpunkt: 4,28€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Jubeeeel! Heute wird unser Youtube-Kanal ein Jahr alt und zur Feier des Tages gibt es von uns Mädels 8 (!) Bücherpakete zu gewinnen!

Schaut mal rein - bei diesem Gewinnspiel gibt es keine Verlierer =)!

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Ich drück' euch die Daumen!
Lisa Sonnenschein
Hier mal wieder etwas weniger Kitsch und etwas mehr Spannung! Ein Thriller mit Psycho-Elementen, wie er im Buche steht! =)

(Die Videorezension zu diesem Buch beginnt bei Minute 20:45)


In diesem Buch durfte ich gleich mehrere Handlungsstränge rund um einen mysteriösen Kindsmord miterleben. Die Geschichte spielt in einem kleinen Dorf im Deutschland der 60er Jahre und der eigentliche Protagonist ist der frisch zugezogene Kommissar Peter Kampmann. Seinen neuen Arbeitsplatz in dem sonst so beschaulichen Örtchen darf er gleich mit diesem schauerlichen neuen Fall beginnen.

Ich habe den guten Herrn Kampmann als unheimlich sympathischen Protagonisten kennengelernt und ihn und seinen Kollegen Blume sehr gerne auf ihre Untersuchungsmissionen begleitet. Kampmann ist kein Justus Jonas (ala "Und da ist die unglaublich vertrackte Lösung, auf die du nicht gekommen bist, du blöder Leser!"), aber auch nicht schwer von Begriff. Endlich mal ein Ermittler, mit dem man sich identifizieren kann! Seine Schritte sind nachvollziehbar und ich hätte an seiner Stelle nicht anders gehandelt.

Die Schreibweise macht den Charme dieses Buches aus. Es ist aus wechselnder Perspektive geschrieben, mit einem (eigentlich zwei) Prolog(en), auf die man sich erstmal keinen Reim machen kann. So nach einem Drittel des Buches ist dann allerdings klar wer der Täter ist (da ein Kapitel aus seiner Sicht geschrieben ist) und man kann alles etwas besser einordnen. Dass dem Leser die Lösung bekannt ist, macht das Buch allerdings nicht weniger spannend. Bis auf die letzten zehn Seiten (!) ist einem noch nicht jedes Detail bekannt und es bleibt nervenaufreibend. Ein wahnsinnig spannender Showdown trägt seinen Teil dazu bei. Wer nicht gut mit Blut und nicht zu unterschätzenden Psychoelementen umgehen kann, der sollte seine Finger auf jeden Fall von diesem Buch lassen ;)!

Für mich gab es an dem Buch bis auf zwei kleine Punkte nichts auszusetzen. Erstens finden sich doch noch ein paar Rechtschreibfehler, die mich den ein oder anderen Satz zweimal lesen ließen. Zweitens spielt die Handlung zwar in den 60ern, ich habe aber ein bisschen den "Spirit" dieser Zeit vermisst. Bis auf die Erwähnung einiger Automarken, einen Song und die noch nicht so ganz ausgereiften kriminologischen Analyseverfahren wurde kein wirklicher historischer Bezug hergestellt. 
Davon ab: Ein spannender Thriller -  Ein toll recherchiertes und atmosphärisch dargestelltes Tatmotiv und ein wahnsinnig actionreicher Showdown machen das Buch zu einem Highlight seines Genres!
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J.P. Conrad: "Mutterschmerz". Erschienen am 5. April 2016 im PERPICX Media Verlag. Kostenpunkt: 9,90€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Nur unter Betrachtung dieses wirklich sehr kitschigen Covers könnte man meinen, ich habe mir diesmal ein Buch für meine Oma ausgesucht. Dachte ich auch - und dann habe ich den Klappentext gelesen ;)! 

(Heute die Rezension sogar mal wieder mit Video! Zu diesem Buch beginnt die Rezension ab Minute 11:04)


Im Buch geht es um die junge Poppy. Sie lebt in London und wird kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges aufs Land evakuiert. Sie landet in Dorset bei einer wohlhabenden Familie, die sie recht widerwillig aufnimmt. Poppy genießt Privilegien, die ihr im Kreise ihrer einfachen Arbeiterfamilie wohl nicht zugekommen wären - aber so richtig zu Hause fühlt sie sich auch nicht...

Ich bin ein Freund der Beschreibung von Frauenschicksalen (zu egal welcher Zeit) und aus genau dem Grund konnte ich auch so richtig mit Poppy mitleiden und ihren Zwiespalt gut verstehen. Die Umgebung "2. Weltkrieg" wird sehr atmosphärisch in die Geschichte eingebracht. In der Phase auf dem Land eher passiv (Sohn der Familie geht zur Armee, man steigt vom Blumen- zum Gemüsegarten um, der Kuchen wird statt mit Butter mit Margarine gebacken) und im zerbombten London selbst aktiver (Verwandte ziehen ein, weil ihr Haus zerstört ist, Sirenen zwingen einen in die Luftschutzbunker, Verdunkelung nach der Abenddämmerung). Poppy fügt sich in beide Szenarien sehr gut ein und ist eine umheimlich sympathische Protagonistin, weil sie anpacken kann und hohe ethische Standards hat.
Der Schreibstil von dem Buch ist unkompliziert und nicht überhoben - trotzdem nicht unangemessen locker. Ich fand es sehr angenehm zu lesen. Es wird ausschließlich aus Poppys Sicht geschrieben, trotzdem lernt man andere Charaktere sehr gut kennen (und teilweise lieben) - die emotionale Verbindung zum Leser wird hauptsächlich über die Aspekte "Gut zu Poppy/Freundlich" und "Gemein zu Poppy/Unfreundlich" geschaffen. Bei mir hat das gut funktioniert ;).

Das Einzige, was mich ein bisschen gestört hat, war das doch sehr kitschige Ende - die zuvor sehr subtile Liebesgeschichte wird hier nochmal in unangemessenem Maße ausgepackt und breitgetreten...
Sonst ein tolles Buch - nicht über die Maße bedrückend (wie so manch anderes Werk mit der Thematik), aber auch kein superfröhlicher Liebesroman mit Blümchen und Glitzer. Für mich ein sehr gelungener Spagat und absolut weiterzuempfehlen =)!
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Lily Baxter: "Wiedersehen in Dorset". Erschienen am 1. April 2016 bei Bastei Entertainment. Kostenpunkt: 7,49€ als E-Book (epub)