Lisa Sonnenschein
Mal wieder ein Leihbuch von der Nicky! Ich hätt's mir ja bei Klappentext und Cover schon denken können, aber "Don't judge a book by its cover!" :P

Wir begleiten in dem Buch Dante - Dante arbeitet für den großen Boss aus der Hölle und sammelt für ihn Seelen ein, die dann im Fegefeuer für ihre Sünden vor sich hinschmoren können. Für seine Beförderung muss er nur noch diesen einen, einzigen Job erledigen und Charlie siegeln, ein Mädchen, das irgendwie einfach zu gut für diese Welt ist.

Jaa, was soll ich sagen? Dieses Buch ist vollgestopft mit Klischees. Er, der Badboy trifft auf sie, Mauerblümchen und Außenseiterin. Und ich verrate euch echt nicht zu viel, wenn ich sage, dass er sich NATÜRLICH unsterblich in sie verliebt (sogar der Klappentext deutet das an - wer's da noch nicht verstanden hat: Auf den ersten 10 Buchseiten ist es dann spätestens klar :D) und zum totalen Rosa-Brillenträger wird. Wirklich - am Anfang zuckt er nichtmal mit der Wimper, wenn er darüber berichtet, wie viele Seelen er schon in die Hölle geschickt hat. Und ab der Hälfte des Buches ist er dann einfach bereit, alles für dieses Mädchen aufzugeben (und ich meine WIRKLICH alles).
Das war mir einfach alles zu viel, zu weit hergeholt und zu offensichtlich für den Storyverlauf. Dazu kamen die klassischen Momente, in denen sie (völlig grundlos!) auf ihn sauer ist wegen irgendwas und den Fieslingen in die offenen Arme rennt - er schleppt dagegen ein finsteres Geheimnis mit sich rum, das er ihr nicht beichten kann, weil er Angst hat, dass sie ihn dann hasst, und, und, und...

Witzig ist die Idee von Himmel und Hölle, die jeweils "Sammler" losschicken, um die Seelen auf der Erde entweder zu retten oder zu verdammen, weil sie selber nicht eingreifen dürfen. Auch witzig ist der lockere bis vulgäre Schreibstil, an den man sich gewöhnen muss, der dann aber irgendwie Spaß macht. 
Leider hatte das Buch sonst für mich nicht viele Reize, die Charaktere waren wie ein riesiger Klumpen an Stereotypen und die Story ebenso. Das Ende hat mich dann vollends verwirrt und zielt absolut auf eine Fortsetzung ab.

Ein Cover für die Fortsetzung habe ich vorhin auch schon irgendwo gesehen - ich muss aber sagen, dass das eine Fortsetzung ist, die ich mir niemals durchlesen werde :/ Schade!
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Victoria Scott: "Dante Walker - Seelensammler". Erschienen am 9. November 2015 im cbt Verlag. Kostenpunkt: 9,99€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Achtung - es folgt eine vielleicht nicht ganz ernstgemeinte Rezension ;)!

In diesem Buch begleiten wir eine erwachsene Frau, die eine wissenschaftliche Studie durchführen möchte und immer wieder an ihre eigenen Grenzen stößt. Dazu kommen allerhand Ereignisse und plot-twists, die ich selbst auch nicht habe kommen sehen. 
Das Werk handelt von den Grenzen der eigenen, kognitiven Kompetenz und deren Folgen für das lebensweltliche Handeln. Es kommt aber auch eine magische Komponente durch, über die ich jetzt noch nicht zu viel verraten will ;)!
Zu erwähnen ist auch der wirklich eigensinnige Titel und das außergewöhnliche Coverdesign. Hier hat sich der Verlag wirklich alle Mühe gegeben, das Buch von der breiten Masse abzuheben - mein Tipp: Das "Daten" im Titel einfach durch das Wort "Quastenflosser" ersetzen, dann wird es sicher noch schmissiger und einer Verfilmung steht nichts mehr im Weg!

Der Schreibstil ist recht schwergängig - allerdings ist "Die Qualität qualitativer Daten" ja auch kein Jugendbuch, sondern für Leser fortgeschrittenen Alters konzipiert. Dadurch, dass die Protagonistin stets ungenannt bleibt, fällt es dem Leser leicht, die Handlung auf die eigenen Empfindungen zu übertragen. Gleichzeitig wird die Austauschbarkeit des studierenden Individuums signalisiert und mir hat sich beim Lesen eine schwere, fast melancholisch-lebensmüde Stimmung aufgedrückt. Interessant für potenzielle Leser ist vielleicht auch die "Mitmachkomponente", die hier enthalten ist. Man kommt beim Lesen nämlich nicht umhin, die Handlung auch praktisch auszuführen. Solche Literatur muss man eben mögen, ich muss sagen, mich hat nicht jede dieser durchzuführenden Aktionen überzeugt, der Großteil war aber wirklich anregend und hat mich auch in meiner Ansicht zur - ja doch recht vorbelasteten - Thematik "Eine Studie durchführen" beeinflusst.

Insgesamt ist dieser Fantasyroman in der Richtung "special interest" anzusiedeln. Die Handlung verläuft konfus, ohne erkennbaren Roten Faden - wer aber gerne abgedrehte Fantasy liest, ohne dass kausale Zusammenhänge eine Rolle spielen würden (ala Terry Pratchett), ist hier gut aufgehoben. 
Für mich war das Buch sehr inspirierend - ich würde es allerdings eher für eine ruhige Minute vor dem Kamin als für den sonnigen Strandurlaub empfehlen. Ich hoffe, meine Rezension konnte euch bei der Auswahl der nächstzulesenden Lektüre weiterhelfen ;)!
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Cornelia Helfferich: "Die Qualität qualitativer Daten". Erschienen am 15. September 2009 im VS Verlag für Sozialwissenschaften. Kostenpunkt: 22,00€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Ich bin ja nun bekennender Bartimäus-Fan (noch nicht gelesen? Unbedingt nachholen!!), eine fantastische Jugendbuchreihe, die mindestens bis zum dritten Teil einfach wahnsinnig witzig ist. Ich bin aus diesem Grund mal davon ausgegangen, dass von diesem Autor ja nichts Schlechtes kommen KANN. Wurde ich enttäuscht? Ich kann's nicht sagen, entscheidet selbst...


Wir befinden uns in England (und vertraut mir, englischer wird's nicht!). Im Gegensatz zu unserem Verständnis von London wird dieses allerdings von ganzen Scharen von Geistern heimgesucht. Und das ist nicht ganz ungefährlich, denn die Geisterseuche, die durch die Berührung mit ihnen hervorgerufen wird, ist meist tödlich.
Wir begleiten zunächst Lucy, die auf der Suche nach Unabhängigkeit von ihrer Familie einen Job bei einer Geisterjägeragentur annimmt, deren Chef zwar charismatisch, aber glücklos ist.

Die Charaktere in diesem Buch sind einfach supersympathisch! Lockwood (den heimlichen Protagonisten? Man weiß es nicht) lernen wir erst relativ spät kennen, ab der Mitte des Buches stehen die drei Hauptcharaktere jedoch gleichberechtigt nebeneinander - jeder mit seinem eigenen Charme.
Wer erwartet, direkt in eine actionreiche Geisterjagd geworfen zu werden, ist hier leider falsch. Die Geschichte plätschert zu Beginn ein bisschen vor sich hin, bis man erfährt, um welchen Fall es eigentlich geht.
Der epische Showdown und die Auflösung entschädigen einen aber absolut für gelegentliche Längen. Die Handlung ist ausdrücklich abgeschlossen, ich vermute die Fortsetzungen funktionieren dann ein bisschen, wie eine Krimireihe: "Ein neuer Fall für die Agentur Lockwood und Co."
Das Buch ist witzig geschrieben, die Charaktere steuern immer wieder bissige Kommentare bei und ich habe wirklich oft schmunzeln müssen. Lockwood und Co. ist außerdem eine Jugendbuchreihe - trotzdem läuft es einem doch teilweise kalt über den Rücken, ein gewisser Gruselfaktor lässt sich bei den Geisteraustreibungen nicht abstreiten. Einem 7-Jährigen würde ich das gute Stück darum nicht unbedingt in die Hand drücken.

Insgesamt ein unterhaltsames Jugendbuch, das einen in eine spannende Welt mit viel Potenzial für weitere Geschichten und Abenteuer eintauchen lässt. Ich brauche dennoch nicht JETZT SOFORT die Fortsetzung, weshalb Teil zwei wohl erstmal auf der Wartebank sitzt...
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Jonathan Stroud: "Lockwood und Co. - Die seufzende Wendeltreppe". Erschienen am 12. Oktober 2015 im cbj Verlag. Kostenpunkt: 12,99€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Der Klappentext dieses Buches versprach eine Köstlichkeit für eine studierte Sprachwissenschaftlerin zu werden - und für Romantikfans... Ich hab' mich trotzdem dran versucht ^_^ (Danke Caprice!)

Finn lebt im Jahre 2264 und arbeitet an der Uni Greifswald an einem Übersetzungsprojekt, als er einen ganz besonderen Job angeboten bekommt. Er soll Tagebuchtexte eines jungen Mädchens im Berlin des 21. Jahrhunderts übersetzen - sie sind auf Deutsch verfasst, einer mittlerweile toten Sprache.

Das Buch beginnt als Sci-Fi Roman. Wir bekommen Einblick in Finns überwiegend emotionslose Welt, in Traditionen und Lebensweisen. Dieses Bild wird auch wirklich sehr liebevoll und detailreich gezeichnet und es macht Spaß, immer wieder mit der Autorin herumzuspinnen, wie die Zukunft wohl so aussehen mag. So nach der Hälfte des Buches kommt dann die romantische Komponente dazu und ich muss wirklich sagen: Die ist süß gemacht! Ich fand es ein bisschen schade, dass dadurch dieses Finns-Welt-erkunden ein bisschen nachgelassen hat, aber der liebeskranke Protagonist hat da wohl Vorrang ;).
In diesem Buch muss ich sagen, hat mich die Liebesgeschichte wirklich zum ersten Mal seit langem wieder mitgenommen. Das potenzielle Pärchen ist zuckersüß, die Geschichte authentisch und nicht zu verklärt-kitschig. Schön! =)

Ich mag auch den Schreibstil der Autorin sehr. Sie stellt das Wesentliche mit vielen Details dar und trotzdem bleibt das Buch sehr gut lesbar. Es ist ein Jugendbuch, also erwartet keinen Emmanuel Kant-Schreibstil! Die ein oder andere Länge habe ich auch gut und schadlos überstanden ;). Alles in allem hat mir sowohl die Story, als auch der Stil wirklich gut gefallen. Eine gute Idee und ein herrlich sympathischer Protagonist haben den Rest erledigt. 

Ein tolles Buch für Zwischendrin =) 
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Holly-Jane Rahlens: "Everlasting - Der Mann, der aus der Zeit fiel." Erschienen am 01. Oktober 2013 im Rowohlt Verlag. Kostenpunkt: 9,99€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Jaaa, ich gebe es zu - auch ich falle mal auf ein Cover herein. Aber sagt selbst: Ist dieses nicht wunderschön gemacht?? =)
Die Videorezension beginnt bei Minute 13.21


Vorsicht! Dieses Buch ist kein Jugendroman und keine leichte Kost und die 15-jährige Protagonistin ist nur ein Teil eines "Protagonisten-Gespanns". Das Cover und der Klappentext sind hier irreführend, wie ich finde und wer das Buch mit den genannten Erwartungen angeht, wird damit nicht glücklich werden.

Bay lebt bei ihrer Nana. Schon immer. Und schon immer fanden die Bewohner des Ortes, in dem die beiden ihr Häuschen haben, sie komisch. Jetzt entdeckt Bay auch noch komische Gestalten, die im bunten Sommerblumengarten von Nana herumgeistern und mysteriöse Äußerungen von sich geben. Und Nana muss einsehen, dass sie ihre Vergangenheit eingeholt hat.

In diesem Buch geht es nicht um Bay ala "15-jähriges Teenagermädchen entdeckt geheimnisvolle Kräfte und rettet die Welt". Vielmehr geht es um die Aufarbeitung eines traumatisierenden Ereignisses, um Selbstfindung, um Freundschaft und das Älterwerden. Das wird absolut glaubwürdig durch einen ständigen Perspektivwechsel zwischen den Charakteren vermittelt (ich gebe zu - an mancher Stelle hat er mich allerdings auch ziemlich verwirrt) und durch das reduzierte Setting (wir befinden uns ausschließlich im abgelegenen Haus von Nana und Bay) wird die Geschichte sehr entschleunigt und absolut atmosphärisch dargestellt. 
Dieses Buch hat wirklich mehr Tiefgang, als Klappentext und Cover vermuten ließen und ich habe es wirklich sehr genossen, in diese Welt einzutauchen. Der Schreibstil der Autorin ist für das Lesegefühl absolut passend. Detailreiche Beschreibungen zählen zu ihren Stärken und die richtige Prise Humor sorgt für das ein oder andere Schmunzeln.
Die Charaktere sind liebenswert und durch das Auftauchen von Nanas alten Freundinnen kommt dann doch ein bisschen Pepp mit rein. Ich kann mir so richtig meine Oma an ihrer Stelle vorstellen! :D

Kurzum - ein wirklich gelungenes Werk, ein bisschen mystisch, ein bisschen philosophisch, aber erfrischend leicht und -auf-dem-Boden-geblieben-. Schön!
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Mary Rickert: "Sommergeister". Erschienen am 2. Mai 2016 im Piper Verlag. Kostenpunkt: 16,99€ broschiert.