Lisa Sonnenschein
Im Fischer Verlag ist heute ein unheimlich beeindruckendes Buch erschienen, von dem ich euch gerne kurz berichten würde. Vorsicht, die Thematik berührt und nimmt mit...!
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Zu meiner Videorezension geht es ab Minute 4:30.


Das Leben an der Opportunity Highschool ist ein idyllisches. Jeder kennt jeden und Autumns Jahrgang steht kurz vor dem Abschluss - endlich College! Aber dann kommt alles anders und die Rede der Rektorin zum Semesterbeginn in der Aula endet tödlich, alle Ausgänge sind verschlossen. Und die Schüler sehen sich mit dem Jungen mit der Waffe konfrontiert...

Die Thematik "Amoklauf" ist mir in literarischer Verarbeitung noch nicht begegnet. Ich wusste daher auch nicht so richtig, wie sehr es mich endeffektlich mitnehmen würde. Der Leser begegnet verschiedenen Schülercharakteren - da ist Autumn, für die Tanzen im Leben einfach alles ist - oder Tyler, der sich von seiner Schwester verlassen fühlt. Von jedem einzelnen lernt man die Beweggründe und Hintergrundinfos Stück für Stück kennen. Immer wenn man meint, die Person, die grade erzählt, gut zu kennen, erfährt man etwas Neues. Das wirkt auch nicht künstlich, sondern hält die Geschichte am Leben und bildet ein bisschen den Roten Faden. Perspektiven werden durchgewechselt, mal erlebt man die Situation in der Aula, mal die von außerhalb.

Das Buch ist sprachlich unheimlich gelungen! Die Atmosphäre kommt sehr gut rüber - es wird aber auch bewusst mit Emotionalität und Drama gespielt (zum Beispiel durch Geschwisterkonstellationen). Das schlägt sich besonders im großen Finale nieder. Da kam mir die Handlung tatsächlich ein paar mal "konstruiert" vor - es stehen verschiedene Schüler aus unterschiedlichen Gründen auf einmal auf, um dem Angreifer die Stirn zu bieten und finden in einer unfassbar stressbelasteten Situation auch direkt die richtigen Worte und ihre Beherrschung. Besonders weil es wiederholt geschieht, erschien mir das nicht besonders glaubwürdig.
Dem emotionalen Ablauf hat das aber keinen Abbruch getan. Ich habe an der ein oder anderen Stelle auch wirklich ein Tränchen vergießen müssen...

Insgesamt ist "54 Minuten" ein unheimlich beeindruckender Roman, der besonders ein jüngeres Publikum ansprechen dürfte (ich kann es mir zum Beispiel auch gut als Schullektüre vorstellen). Ich hatte jedenfalls noch einige Tage daran zu knabbern und war froh, dass mein Freund ein dankbarer Diskussionspartner war ;). Eine Empfehlung für alle, die sich in eine so schwere Situation hineinversetzen wollen!
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Marieke Nijkamp: 54 Minuten - Jeder hat Angst vor dem Jungen mit der Waffe. Erschienen am 21.09.2017 im Fischer Verlag. Kostenpunkt: 14,99€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Es ist da! Das erste Buch der neuen Reihe - "Die Abenteuer des Apollo" von Rick Riordan. Die Abenteuer des Gottes spielen in der altbekannten Welt um griechische und römische Mythologie und auch unser Held Percy Jackson spielt seine Rolle...
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Apollo kann es gar nicht fassen. Vom Himmel gefallen, aller göttlichen Kraft beraubt, ist der Gute komplett auf sich selbst gestellt und findet sich gleich zu Anfang seiner irdischen Abenteuer im Müllcontainer und von Schlägern bedroht wieder. Nachdem er durch Zufall die schlagfertige Meg kennengelernt hat, machen sich beide auf den Weg nach Camp Half-Blood, von den Halbgöttern dort versprechen sie sich Hilfe und Antworten...

Wer Lust hat, sich das Unpacking noch einmal anzuschauen, der sei dazu gerne hier eingeladen:


Vorweg: Ich kenne die Reihe "Die Helden des Olymp" noch so gar nicht - konnte aber trotzdem die Finger nicht von diesem Buch lassen ;). Ich empfehle euch aber auf jeden Fall, nicht mit diesem Buch den Einstieg in die Bücher von Rick Riordan zu wagen, sondern bei Percy Jackson anzufangen - die Spoiler im Buch sind dann doch erheblich.

Ein riesiger Positivpunkt dabei: Das Buch ist die richtige Mischung aus Nostalgie und neuen Charakteren und Handlungssträngen. Wir treffen Percy und andere bekannte Campbewohner und erfahren, was aus allen geworden ist - aber Meg und Apollo sind als Gespann und Mittelpunkt der Geschichte auch eine tolle neue Komponente. Es macht unheimlich Spaß, Altes wiederzuentdecken und Neues zu erleben! Apollo selbst konnte ich trotz Narzismus und ewigem Gejammer, unheimlich gut leiden und habe sehr oft über seine Einstellung (die doch manchmal wirklich absurd ist...) gekichert.
Der Sprachstil von Riordan ist dabei wie gewohnt jugendlich, spritzig und vielleicht ein bisschen bissig - ganz so wie man es kennt und liebt.

Zwei kleine Negativpunkte habe ich dann aber doch noch. Erstens verwirrt mich immer wieder dieser Mix von griechischer und römischer Mythologie - Apollo erzählt so zum Beispiel mehrfach, wie er den Sonnenwagen fährt (Mein Gedanke: Hä? Das war bei den Griechen doch Helios!) und nennt auf der anderen Seite seine Schwester beim griechischen Namen (Artemis). "Klugscheißerin!", werdet ihr schreien. Ja, vielleicht - mich als Riesenfan der griechischen Mythologie wirft sowas aber aus der Bahn...
Zweitens wirken einige Gegebenheiten, die unseren Protagonisten auf die richtige Bahn lenken, doch sehr konstruiert. So spricht wegen der Vorbereitungen eines sportlichen Ereignisses niemand im Camp mit Apollo, der grade so ungefähr die wichtigste Entdeckung des Jahrhunderts gemacht hat. Wie praktisch für den Spannungsbogen, dass nun erstmal der Wettlauf absolviert werden muss... Ich gebe aber zu, auch hierüber kann man hinwegsehen - entnervt geseufzt habe ich an der Stelle aber trotzdem!

Na gut, von den kleinen Mäkeleien mal abgesehen war auch dieses Buch von Rick Riordan wieder einmal gnadenlos unterhaltsam, witzig und spannend. Es überzeugt mit starken Charakteren und doch der ein oder anderen überraschenden Wendung. Ich habe es wahnsinnig gerne gelesen und bin gespannt, wie es mit unserem egozentrischen Helden Apollo weitergeht - da erwartet uns noch so einiges!
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Rick Riordan: Die Abenteuer des Apollo - Das verborgene Orakel. Erschienen am 31. August 2017 im Carlsen Verlag. Kostenpunkt: 17,99€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein
Endlich gibt es wieder Nachschub vom Großmeister der Skurrilität (gleich nach Terry Pratchett). Und im Nachwort erklärt der Autor seine Veröffentlichungspause sogar selbst. Für die Zusammenarbeit mit Lydia Rode, die unter dem Chronischen Fatigue Syndrom leidet, mussten andere Projekte erstmal ruhen. Die Berliner Illustratorin hat mit dieser Erstveröffentlichung eine unheimliche Leistung gebracht und etwas ganz Eigenes geschaffen - obwohl die Nähe zu den Zamonienromanen von Moers erkennbar bleibt.

Ebenfalls witzig: Neben dem Buch gibt es noch eine "Zeitschrift" zum Thema Schlaf dazu, in der Ausschnitte aus dem Roman amüsant aufbereitet werden.
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Prinzessin Dylia wird seit jeher von hartnäckiger Schlaflosigkeit geplagt. Bei allen negativen Nebenwirkungen, die das so mit sich bringt, hat sie aber auch nach den längsten schlaflosen Phasen die kreativsten Einfälle und verrücktesten Ideen. Doch eines Nachts begegnet ihr der Nachtmahr Havarius Opal und kündigt an, sie in Bälde in den Wahnsinn zu treiben. Er nimmt sie mit auf eine erstaunliche Reise in ihre eigenen Gedanken - und konfrontiert sie unter anderem mit Geistgeistern, Zergessern, Grillos und Irrschatten.

Nach den ersten vierzig Seiten war ich zugegeben tierisch enttäuscht von diesem Buch. Da gab es ewige Aufzählungen und Wortspielereien der Protagonistin, die nur teilweise im weiteren Verlauf des Buches wieder aufgegriffen wurden. Für einen Zamonien-Roman begegnen dem Leser hier auch erstaunlich wenige Wesen aus der Welt von Moers - überwiegend befinden wir uns in der Psyche von Prinzessin Dylia. Diese hat zwar immer wieder Moerssche Sonderlichkeiten zu verzeichnen, führt uns aber nicht tiefer nach Zamonien, wie ich es mir eigentlich gewünscht hatte.

Ich hatte das Gefühl, dieses Buch ist wie die persönliche Geschichte der Illustratorin aufgebaut. Moers reist als Nachtmahr mit ihr durch ihre eigenen Gedanken und man merkt, wie sich Moers mit Themen rund um Schlaf und Schlaflosigkeit und dem Gehirn an sich auseinandergesetzt hat. Wer aber "einen klassischen Moers" erwartet hat, der wird hier nicht voll auf seine Kosten kommen. Vielmehr bekommt der Leser eine Liebeserklärung an die junge Dame, die nicht weniger das Herz rührt.
Nach einem für mich eher langatmigen Einstieg nahm dann aber die Geschichte an Fahrt auf und auch wenn mich nicht alle Passagen packen konnten und ich nicht völlig hingerissen war, habe ich mich in der Handlung letztendlich doch wohlgefühlt. Die Illustrationen sind ein absoluter Traum (höhö). Sie entfernen sich nicht zu weit vom Altbekannten, bringen aber auch ihren ganz eigenen Stil mit ein, der dem Buch durchaus guttut.

Alles in allem ein Buch, von dem ich mehr erwartet hatte. Mit dem schwergängigen Einstieg und begrenztem Erlebnisraum gab es für mich zu viele Hemmnisse im Lesefluss, immer wieder musste ich das Buch an die Seite legen. Dennoch finden sich die typischen Wortspielereien des Autors und der leicht philosophische Hintergrund auch in diesem Zamonien-Roman von Walter Moers wieder. Als Intermezzo ist es also durchaus ein gut lesbares Buch...
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Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr. Erschienen am 28. August 2017 im Knaus Verlag. Kostenpunkt: 24,99€ als Hardcover.

Lisa Sonnenschein
Endlich ist sie da! Die langersehnte Fortsetzung von "Die Magie der Namen", dem Gewinner des Piper Awards auf wattpad und seit Kurzem auch Preisträger des "Deutschen Phantastik Preises" in der Kategorie "Bestes Debüt". Und gleich zu Beginn des zweiten Teils erwartet uns eine ganz neue Welt...
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Anderta kann ihr Unglück nicht fassen. Auf einmal findet sie sich in einer Wirklichkeit wieder, die sie nicht als ihre eigene erkennen kann. Alles ist verdreht und ganz offensichtlich von jemandem beeinflusst. 
Die Passario, die die Magie ihres Namens bisher dazu eingesetzt hat, sich und ihren Geliebten zu bereichern, wird von nichts anderem mehr getrieben, als dem Wunsch nach ihrem alten Leben...

Anderta ist eine Protagonistin, mit der ich wirklich lange nicht warm geworden bin. Anders als Tirasan im ersten Teil ist sie auch nicht unbedingt eine Sympathieträgerin. Sie sieht vieles nicht, was mir offenbar war, sie ist stur und aufbrausend. Aber sie macht eine unheimliche Entwicklung durch und nennt außerdem eine sehr spannende Namensmagie ihr eigen, die sie zwar mit Tirasan aus dem ersten Band teilt (klar, sie haben ja denselben Nachnamen), die aber doch so ganz anders ist und ein bisschen den roten Faden der Geschichte bildet.

Der zweite Band ist handlungstechnisch eine würdige Fortsetzung! Endlich erfahren wir, was sich alles verändert hat, welche Auswirkungen auf Land und Leute das Finale von "Die Magie der Namen" hatte. Gemeinsam mit den Charakteren der Geschichte können wir die Buchwelt ganz neu entdecken - ein wirklich schöner Prozess! "Die Magie der Lüge" ist aus dem Grund auch eigentlich mehr ein ganz eigener Fantasyroman, bringt er doch ganz eigene Charaktere und ganz eigene Konflikte mit sich.

Das ist durchaus ein Pluspunkt - schade fand ich dahingegen, dass die Charaktere nicht so differenziert daherkamen, wie ich das aus dem ersten Teil kannte. So sind hier viele Namen an mir vorübergezogen, die neu vorgestellten Charaktere waren entweder Vertreter der Fraktion "Alles geht den Bach runter, jeder für sich!" oder der Einstellung "Lass uns erstmal drüber reden, alles wird gut". Im Prinzip sind mir hier also zwei Lager begegnet, von denen auch zu Beginn schon klar war, dass sie sich irgendwo in der Mitte treffen würden...?

Ganz anders dann das große Finale! Ich wusste gar nicht, wohin mit meinen Emotionen - da bin ich dann wirklich dahingeschmolzen und konnte es nicht erwarten weiterzulesen, wollte aber auch nicht, dass es aufhört! Hach... Emotionen sind ohnehin ein wichtiger Punkt in diesem Buch - und das nicht nur auf romantischer Ebene, sondern auch ganz basal zwischen Mutter und Kind.

Insgesamt war ich von diesem zweiten Band leider nicht ganz so begeistert wie vom Reiheneinstieg. Vielleicht hängt das mit den unheimlich hohen Erwartungen zusammen, die ich aus "Die Magie der Namen" mitgebracht habe. Viele emotionale Irrfahrten der Protagonistin und ein recht klassischer Handlungsablauf haben mir beim Lesen ein bisschen den Schwung genommen. So ist "Die Magie der Lüge" für sich genommen nämlich eigentlich ein sprachlich einwandfreies, bildgewaltiges Buch, das mit einer ganz neuen Idee daherkommt (auch in Abhebung vom ersten Teil) und uns die kreativ geschaffene Welt noch ein Stückchen näherbringt.
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Nicole Gozdek: Die Magie der Lüge. Erschienen am 1. September 2017 im ivi-Verlag. Kostenpunkt: 16,00€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein

"Mein Name passt nicht zu mir." - das denken wahrscheinlich viele Nummern bei ihrer Namensgebung in unserer Welt. Denn mit dem Namen kommen Fähigkeiten und Aufgaben - eine eigene Geschichte also. Als ich meinen Namen erhielt, glaubte ich an einen Fehler. Mein Name ist 

Idaja Sheris Elluren.

Nur ein dreiteiliger Name. Und dann auch noch eine Lebensaufgabe als Chronistin, die das ständige Reisen, Reiten, Unterwegssein mit sich bringt. Ich hasse Pferde. Ich habe sogar eine Allergie gegen sie. Und meine Reisekrankheit wirft mich für Tage aus der Bahn, wenn ich ein Schiff auch nur anschaue.

Ich war eben schon immer eher eine Stubenhockerin und habe gelesen oder Schriften zu bestimmten Themen verfasst. Nun habe ich durch meine Sesshaftigkeit die wohl begehrteste Aufgabe meiner Zunft erhalten: Ich darf die Chroniken der Herrscherdynastien verfassen!
Ich muss so nur selten reisen, kann mich ganz in meine Arbeit vertiefen und darf mit Bescheidenheit behaupten, auch schon eine gewisse Bekanntheit erreicht zu haben...

Denn besonders Fürstin Imlanda legt höchsten Wert darauf, keine Details über ihr Privatleben nach außen dringen zu lassen. Doch ich kann sehr gut zuhören - und ich habe Zeit. Mein Name dauert an, er wird weitergegeben - und die großen Namensarchive vergessen nie.

Mancher liebt mich für meine analytische Beobachtungsgabe, viele hassen mich. Aber so oder so habe ich bewiesen: Dein Name gehört zu dir und sei er noch so überraschend. Und auch dreiteilige Namen können es zu etwas bringen, man muss kein Passario sein, um das zu erkennen!
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"Die Magie der Lüge" von Nicole Gozdek erscheint am 1. September 2017 und ist die Fortsetzung des Romans "Die Magie der Namen". Weitere Infos und den Klappentext findet ihr hier.
Lisa Sonnenschein
Dieses Buch hat seinen Weg zu mir durch die Agentur Mainwunder gefunden. Vielen Dank erstmal dafür :)!

Es wird politisch! Für ein Buch über Rechtspopulismus, den Umgang mit Interkulturalität und Islamismus hat sich der Autor intensiv mit den Themen beschäftigt und ist sogar einer populistischen Partei beigetreten. Im Vordergrund steht dabei aber nicht plumpe Hetze in die eine oder die andere Richtung, sondern das Verstehen-Wollen - das in der Debatte häufig viel zu kurz kommt. Aber von vorne:
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Thomas führt ein ziemlich normales bis langweiliges Leben. Das ändert sich schlagartig, als er eines Abends von Flüchtlingen überfallen und fast ausgeraubt wird. Thomas beginnt, sich Fragen zu stellen und sein Leben zu überdenken - und dank eines Kumpels findet er sich bald bei einer Podiumsdiskussion der "Besseren Deutschen" wieder. Einer Partei, die für Prozente bei der anstehenden Wahl zu allen Mitteln greift...

Das Ganze ist dann in Form eines Krimis wiedergegeben - und das ist auch der große Joker, den der Autor hier ausspielen kann! Er bewegt sich nämlich eigentlich auf sehr dünnem literarischen Eis - er darf keine Wertung in seine Handlung einfließen lassen. Ich hatte zugegebenermaßen einige Bedenken, als ich das Buch in Händen hielt (ich linke Socke ich...), denn beim Thema Fremdenhass gibt es bei mir keine Diskussion. Leif Tewes umgeht aber diese Grundsatzdebatte sehr geschickt, indem er einen tatsächlichen Kriminalfall um die politischen Gegebenheiten herum stattfinden lässt. So folgt man den Ermittlungen des Protagonisten Kommissar Berg und bekommt ganz nebenbei Einblick in die berühmt-berüchtigten abendlichen Stammtischrunden oder die (mutmaßliche) Argumentation eines Islamisten. Das ist spannend gemacht und provoziert nicht - Chapeau für diesen Spagat!

Sprachlich und thematisch ist "Alternativen" also absolut gelungen - für mich hat sich das auch in der Handlung fortgesetzt. Komissar Berg, der hier eigentlich schon in seinem zweiten Fall ermittelt (auch Unwissende wie ich finden hier aber den Einstieg!), ist ein sehr sympathischer Protagonist, die Spannung wird durch immer neue Wendungen und geschickte Zusammenarbeit der handelnden Personen aufrechterhalten. Besonders mochte ich das Ende, das sehr realistisch gehalten wurde und mir zusätzlich ein gehöriges Päckchen Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg gegeben hat.

Mein Fazit: Ein intelligenter Krimi, dessen Umsetzung mich beeindruckt hat! Wer Interesse an der politischen Thematik mitbringt und sich darauf einlässt, wird hier gleich doppelt gerne mitlesen - von mir gibt's beide Daumen nach oben.

Und ein kleines Schmankerl am Ende: Ihr, die ihr politisch interessiert seid, probiert doch mal den Musik-O-Maten aus. Anhand des Musikgeschmacks wird die für euch passende Partei ermittelt. Nicht ganz ernst zu nehmen, aber durchaus witzig ;)
Einfach hier klicken.
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Leif Tewes: Alternativen. Erschienen am 3. August 2017 im Größenwahn Verlag. Kostenpunkt: 16,90€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Heute ist Andrea zu Gast! Sie hat ein Buch mitgebracht, das irgendwie so völlig außerhalb meiner Aufmerksamkeit erschienen ist. Trotzdem habe ich nach ihrer Rezension irgendwie Lust es zu lesen - wie geht's euch? Vorhang auf für dich, liebe Andrea :)!
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"Wenn es die Zeit nicht gäbe", sagte Peter Taler, "dann würde alles auf einmal passieren."
"Es ist nicht die Zeit. Es ist die Veränderung. Sie ist es, die alles trennt, die Ordnung schafft und uns Vorher, Jetzt und Nachher schenkt.", antwortete Knupp.
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Zwei Witwer und ein absolut verrücktes Experiment

Peter Taler und Albert Knupp sind nicht nur Nachbarn in einer kleinen Schweizer Siedlung, sondern haben darüber hinaus eine besondere Gemeinsamkeit: Beider Leben ist durch das plötzliche Witwerdasein aus den Fugen geraten. Taler sucht immer noch nach dem Unbekannten, der seine Frau Laura vor der Haustür erschossen hat. Er selbst war es, der sich Zeit beim Öffnen der Tür gelassen hat, sonst würde Laura vielleicht noch leben. Sein Nachbar, der achtzigjährige Albert Knupp hingegen ist nach dem plötzlichen Malariatod seiner Frau Marta vor 20 Jahren zum ruppigen Einzelgänger der Siedlung geworden. Auch er fühlt sich schuldig am Tod seiner Frau, weil er die Feriendestination ausgesucht hat, in der sie sich mit dem Virus infizierte.

Taler und Knupp würden die Zeit zurückdrehen, wenn sie könnten... Aber wer sagt, dass das unmöglich ist? Laut Albert Knupp vergeht die Zeit nämlich in Wirklichkeit nicht, sondern das Verfließen von Zeit wird lediglich durch Veränderungen simuliert. Der Rentner kann seinen jungen Nachbarn für seine Zeit-Philosophie und ein wahnwitziges Experiment gewinnen, das die Vergangenheit verändern könnte.
Knupp will sich mit Talers Hilfe in der Zeit zurückversetzen - das gelingt nur, wenn er den 11. Oktober 1991 detailgetreu rekonstruieren und alle Veränderungen rückgängig machen kann. Ob es den beiden rechtzeitig gelingt, der Zeit ein Schnippchen zu schlagen, ist ungewiss, denn Taler stößt gleichzeitig auf Spuren, die zu Lauras Mörder führen...
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Der Roman ist eine Mischung aus Krimi und Philosophiebuch, das heißt, es ist sehr spannend geschrieben, aber gleichzeitig denkt man noch Tage später über den Inhalt nach. Man begleitet die Hauptfigur, Peter Taler, durch den Text, während er den Mörder seiner Frau genau so verbissen sucht wie eine zufriedenstellende Beschreibung der Zeit.
Bei den Disputen zwischen den beiden Witwern kommt man auch als Leser ins Grübeln. Ist die Zeit ein Strukturierungselement, das unser Leben in gestern, heute, morgen einteilt, oder geschieht vielmehr alles gleichzeitig? 
Diese Theorien sind allerdings meiner Meinung nach auch ein kleiner Schwachpunkt des Buches, weil sie nicht wirklich leicht zu verstehen sind, wenn man nicht grade selbst tieferes philosophisches Wissen hat. Ich selbst fand sie nicht sonderlich schlüssig. 

Was mich an dem Buch aber sofort in den Text gezogen hat, ist die einfache Sprache: Es gibt keine ausschweifenden Beschreibungen von Details oder Gemütszuständen, sondern nur reine Sprache, die wie bei Haruki Murakami (Afterdark ist sehr zu empfehlen!) oder Franz Kafka spartanisch, aber trotzdem bildhaft erzählt.

Alles in Allem ist "Die Zeit, die Zeit" ein gelungener und spannender Roman mit überraschenden Wendungen, der einen durch die große Spannung selbst gegen die Zeit anlesen lässt.
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Martin Suter: Die Zeit, die Zeit. Erschienen am 23. Oktober 2013 im Diogenes Verlag. Kostenpunkt: 12,00€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Wie auf meiner Facebookseite versprochen, habe ich euch hier noch eine kleine schriftliche Zusammenfassung meines Comic-Film-Vergleichs von "Valerian" vorbereitet :) Viel Spaß beim Lesen!
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Zunächst mal gibt es das Ganze in Videoform in voller Pracht:



Worum geht's in den Comics?
In einer Welt, in der die Menschen den Weltraum erobert und Kontakt zu jeder Menge außerirdischen Spezies geknüpft haben begleiten wir Valerian und Veronique, zwei Agenten des Raum-Zeit-Service auf ihren Abenteuern. Meistens geht es dabei um die Vermittlung zwischen den Völkern - mal liegen diese wegen Nichtigkeiten im Krieg, mal beweisen die Menschen wieder ihre grenzenlose Arroganz anderen gegenüber. 
Etwas Besonderes sind dabei erstens die Zeichnungen und Illustrationen, die einen sofort zurückschmeißen in eine Zeit, in der man noch heimlich mit Taschenlampe unter der Decke gelesen hat. Ein wirklich toller, detailreicher Stil, bei jedem Lesen findet man noch was Neues!

Zweitens ist die Beziehung zwischen den beiden Partnern Valerian und Veronique (die übrigens in den Comics in Frankfreich und Amerika "Laureline" heißt) eine ganz besondere. Man weiß nie, ob die beiden jetzt ein Liebespaar sind, oder sich nur schelmisch necken - bzw. ICH weiß es nicht, denn ich habe noch nicht alle der 23 Bände gelesen, vielleicht kommt da noch was... Es macht auf jeden Fall Spaß, den beiden zuzusehen. Er der gewissenhafte, pflichtbewusste und sie die emotionale, die sich (fast) nur ihrem Gewissen verpflichtet fühlt. Sie ergänzen sich perfekt!


Bild von http://imgur.com/gallery/GufFj

Und was hat das jetzt mit dem Film zu tun?

Der Film (übrigens die teuerste europäische Produktion aller Zeiten) hat sich nicht 1:1 an den Comics bedient - wir bekommen hier also nicht eine aufgewärmte Comicfolge serviert, sondern etwas Neues. Das finde ich persönlich eine gute Sache, denn die beiden Protagonisten bleiben erhalten und Leser der Comicreihe erkennen auch einzelne Elemente wieder (zum Beispiel außerirdische Wesen, die Stadt der tausend Planeten oder die Vorgesetzten von Valerian und Veronique/Laureline). Das Ganze ist ein wahres Bildfeuerwerk, wir erleben knallbunte Welten, rasante Kamerafahrten und ja, dieser Film wurde als 3D-Film konzipiert. Doch es gibt auch Negativpunkte!

So habe ich dem als Herzensbrecher und Badboy konzipierten Valerian seine Rolle überhaupt nicht abgenommen. Der Schauspieler war für mich eher der brave Junge von nebenan. Außerdem ist für mich völlig die Tiefe und Bedeutung der Comics verlorengegangen. Während sich die Comicreihe immer wieder dem "Was wäre wenn" gestellt hat, ethische Fragen gestellt und Konflikte gelöst hat, ging es hier scheinbar vordergründig um spektakuläre Bilder. Der Plot war eher oberflächlich und durchzogen von Klischees - leider betraf das auch die wunderbare Beziehung zwischen den beiden Protagonisten, das Knistern und Umeinander-Herumtänzeln, die Ungewissheit ist fast gänzlich zu einer Jugendbuch-artigen Schwärmerei mit bewusst gesetzten Konflikten verkommen. Sehr schade.


Bild von https://teaser-trailer.com/valerian-movie-trailer/
Okay, und was heißt das jetzt im Vergleich?
Comicreihe und Film teilen sich Namen, Orte und die Namen der Protagonisten. Was die Intention der beiden Medien angeht, gehen die Rollen einfach wahnsinnig weit auseinander. Mir persönlich sind da die fast philosophisch angehauchten Comics viel lieber - ich kann mir aber auch vorstellen, dass viele die durchaus spaßige und kurzweilige Unterhaltung des Films vorziehen. Vielleicht habe ich mit dem direkten Vergleich einen Fehler gemacht.

Für sich ist nämlich "Valerian und die Stadt der tausend Planeten" ein guter, bildgewaltiger Film, den ich mir durchaus gerne angesehen habe und der mich gut unterhalten hat. Mein Tipp ist allerdings: Schaut in diese Comics mal rein! Weil die Carlsen Comics 50-jähriges Jubiläum feiern, gibt es da so manche coole Neuauflage, durch die man sich mal wühlen könnte ;)!
Lisa Sonnenschein
Sodale, ich habe die Gewinner des Geburtstagsgewinnspiels ausgelost (Mensch Meier, verschiedene Päckchen auslosen ist immer anstrengend^^) und gewonnen haben die folgenden lieben Menschen:

- "Spectrum" von Ethan Cross geht an Bianca Schweizer
- "Bourbon Kings" und "Bourbon  Sins" von J.R. Ward zieht bei Heidi Petry ein
- Den Trostpreis bekommt SopHie Bo

Herzlichen Glückwunsch ihr Lieben - bitte meldet euch zeitnah per Facebook oder Mail (findet ihr im Impressum) bei mir, damit ihr euch eure Lesezeichen aussuchen könnt =).


Lisa Sonnenschein
Meine Güte, das wird eine schwere Rezension - mit verantwortlich dafür: die Schwere des Themas, mit dem sich das Buch beschäftigt. Es geht um Verlust und Abschied...
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Tom und Jan müssen zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihres Lebens mit einem schweren Verlust leben. Beide suchen Trost am Meer und beim Wind. Besonders letzterer hilft den beiden dabei, ihren Schmerz zu verstehen und zu lernen, warum es sich lohnt, sein Leben niemals aufzugeben...

Das Büchlein (120 Seiten hat es) ist aufgebaut und geschrieben wie ein modernes Märchen. Ich war dabei nicht ganz sicher, ob es eher Kinder anspricht oder auch Erwachsene, habe mich aber irgendwie auf "Ein bisschen von beidem" geeinigt. Ein Märchen eben, in dem auch der Wind mal Geschichten erzählen darf.

Von der Struktur her ist "Die Chroniken der Windträume" eigentlich ein 2 in 1 Buch. Toms und Jans Geschichte können nämlich mehr oder weniger unabhängig voneinander erzählt werden und haben beide ihren eigenen Reiz.
Untermalt werden die Geschichten von ganz zauberhaften Illustrationen, die wirklich perfekt die Stimmung des Buches treffen (wer mehr sehen möchte, dem sei die Seite der Illustratorin wärmstens empfohlen!).

Leider hat das Buch nicht ganz "meinen" Ton getroffen. Es ist sprachlich wunderschön gemacht und liest sich wie ein klassisches Märchen - aber für mich gab es zu wenig inhaltliche Entwicklungen, die wirklich zu einer Trauerbewältigung beigetragen hätten. So blieb es bei liebevoll gezeichneten Gleichnissen und dem Fazit "Genieße dein Leben", aber besonders Jan hatte nicht so richtig die Chance, seine Trauer wirklich zu verstehen. Das fand ich ein bisschen schade.

Ich kann das Buch aber trotzdem jedem ans Herz legen, der das Meer und den Wind genauso liebt wie ich und der gerne Märchen liest, die mal eine etwas andere Moral von der Geschicht' haben. Für jene Leser (und auch für mich) ist "Die Chroniken der Windträume" dann nämlich ein wunderbares Leseerlebnis, das für den ein oder anderen auch sehr emotional werden dürfte. Hach!
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Jando: Die Chroniken der Windträume. Die Saga von einer wundersamen Reise zu sich selbst. Erschienen am 16. September 2016 bei Koros Nord. Kostenpunkt: 13,99€ als Hardcover.
Lisa Sonnenschein
Ach du Schande - zwei Jahre lang treibe ich mich mit meiner Seite jetzt schon in den tiefen des Internets rum! Vielen lieben Dank an jeden von euch, der mich darin unterstützt, kommentiert und immer wieder und unermüdlich mit mir über Bücher diskutiert ;). 



Ich habe mir mal eine kleine Aktion für euch ausgedacht - zu gewinnen gibt es:
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Paket 1: Ethan Cross - Spectrum
August Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank - das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur - und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschen zu opfern.



Paket 2: J.R.Ward - Bourbon Kings und Bourbon Sins
Eine mächtige Dynastie: skrupellose Machtspiele und verbotene Gefühle. 

Seit Generationen geben die Bradfords in Kentucky den Ton an. Der Handel mit Bourbon hat der Familiendynastie großen Reichtum und viel Anerkennung eingebracht. Doch hinter der gänzenden Fassade verbergen sich verbotene Liebschaften, skrupellose Machtspiele, Verrat, Intrigen und skandalöse Geheimnisse...
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Den Klapptentext des zweiten Teils erspare ich euch jetzt (Spoileralarm), den gibt es aber auf jeden Fall direkt dazu, damit ihr nicht zwischendrin aufhören müsst zu lesen ;)!


Paket 3: Trostpreis - Plakat mit dem Stammbaum der Schrift
Dieses Poster (Format DIN A4) zeigt den Stammbaum der Schrift zum hundertsten Jubiläum einer Frankfurter Buchstabengießerei. Es geht mit der römischen Schrift (Capitalis) und Runen los und endet bei verschiedenen Fraktur- und Schönschriften - vielleicht findet es ja Liebhaber? =)
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Wenn ihr euch für eines der Pakete interessiert, könnt ihr auch für Paket drei im Lostopf landen - das lose ich dann unter allen Teilnehmern nochmal extra aus.

Zu allen drei Paketen gibt es eine kleine Dose Tee, buchige Goodies, ein selbstgemachtes Lesezeichen nach Wahl, Nuss-Nougat-Buchkekse und Zitroneneinhörner dazu!
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Um teilzunehmen, kommentiert einfach hier oder auf Facebook mit der Nummer des Paketes, das ihr euch wünschen würdet und lasst mich außerdem wissen, ob ihr für die Verlosung des Trostpreises mit dabei sein wollt :).

Wenn ihr mir hier oder auf Facebook folgt, freue ich mich natürlich - das ist aber kein Muss.

Das Gewinnspiel läuft bis Freitag, 18. August 14:00 Uhr. Viel Erfolg!
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- Seid bitte volljährig, oder habt die Einverständniserklärung eurer Eltern, um hier teilzunehmen
- Wohnt in Deutschland, Österreich oder der Schweiz
- Der Gewinn kann nicht ausgezahlt werden
- Ich versende die Pakete nach bestem Wissen und Gewissen via DHL und hafte nicht, wenn etwas verlorengeht
Lisa Sonnenschein
Nadine ist zu Besuch! :) Und sie ist Wiederholungstäterin - während ihr erster Beitrag noch kurz und knackig ausfiel, hat sie jetzt allerdings die völlige Begeisterung im Griff. Vorhang auf, hier kommt Nadines Meinung zu "Kernstaub, Über den Staub an Schmetterlingsflügeln" von Marie Graßhoff.
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Inhalt:
Mara hatte es nicht immer leicht. Seit sie denken kann wird ihr Leben durch ihre panische Angst vor Uhren jedweder Art bestimmt. Keiner weiß warum und woher das kommt. Als dann auch noch ihre Eltern sterben und ihr geliebter Bruder Lewin nur noch mit seinen eigenen Geschäften beschäftigt ist, bleiben ihr nur noch ihre Diener und ihre beste Freundin Calla. Doch als Juan, Callas Bruder, ihr eine Taschenuhr schickt, besteht ihr Leben nur noch aus Fragen. 
Warum sollte er ihr sowas schicken? Sie hassen sich doch!
Was will dieser Glen von ihr?
Warum will man sie töten?
Was ist das nur für eine fremde Welt?
Und wenn dich alle hassen, würdest du dich trotzdem für sie opfern?

Zitat:
"Wir haben nach neuen Welten gesucht, aber keine gefunden. Also nahmen wir die unsere und versuchten, sie schöner und leuchtender zu machen. Doch je mehr Licht wir ihr gaben, umso tiefer wurden ihre Schatten."

Wie ich dieses Buch bekam:
Ich hatte das Glück, dieses Meisterwerk signiert beim Drachenmond-Verlag zu gewinnen. Dort hatte der Packdrache wohl einen kleinen Unfall, bei dem 10 Exemplare leichte Dellen davongetragen haben. Also gab es ein kleines Gewinnspiel - und ich war der glückliche Gewinner^^

Fazit:
Ich muss gestehen, dass ich das Buch nicht gleich gelesen habe. Die 974 Seiten haben mich erstmal abgeschreckt. Doch als ich mich dann erstmal überwunden und den Prolog gelesen hatte, war ich einfach nur begeistert.
10 Minuten lang saß ich einfach nur da und besann mich der Zeilen, jedes einzelnen Wortes und jedes Buchstabens. Wie kann man es nur schaffen, auf zwei Seiten so viel Wahrheit, Erkenntnis und Leid zu schreiben? Völlig gefesselt konnte ich von da an dieses Buch kaum mehr aus den Händen legen und schon gar nicht aus meinem Kopf verbannen. Es hatte mich gepackt, ließ mich nicht mehr los, schlich sich in meine Träume in der Nacht und meine Fantasie am Tag. 
Wie oft ich wohl draußen auf der Terasse saß, das Buch in meinen Händen, den Geruch der Druckerschwärze und des Papiers in meiner Nase?
An die letzten Seiten denkend, auf die Blumen sehend - aber sie nicht wahrnehmend, weil ich die Geschichte auf der Wiese Revue passieren ließ.

Ich wollte mir jedes Wort, jeden Buchstaben in meine Seele brennen, um das ganze Universum zu erfassen. Keine Emotion und kein Geräusch mehr vergessen. 
So etwas habe ich noch bei keinem Buch (und ich kenne viele^^) erlebt, was es eindeutig zum besten Buch macht, was ich je gelesen habe!
Eine erschreckend realistische Dystopie, die in verschiedenen Sphären und Zeiten spielt und sich ihr eigenes Universum erschafft - in der Mara lernen muss, dass nichts so ist wie es scheint und die Realität grausamer ist als die Wirklichkeit, in der sie zu leben glaubte. 

Drei Tage sind vergangen, seitdem ich es gelesen habe. Drei Tage, in denen ich nachsann und zweifelte, ob meine Rezension diesem Epos gerecht werden würde. Doch nun ist sie fertig und ich halte Band zwei in meinen Händen, um wieder einzutauchen in dieses Universum, welches unserem so erschreckend ähnlich ist.

Vielen Dank Marie Graßhoff für dieses Meisterwerk - und natürlich danke ich auch dem Drachenmond-Verlag!
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Marie Graßhoff: Kernstaub - Über den Staub an Schmetterlingsflügeln. Erschienen am 1. Juni 2016 im Drachenmond-Verlag. Kostenpunkt: 19,90 als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Das Drama um die Familie Bradford geht weiter - und ich wurde in meinem positiven Leseeindruck, den ich aus dem ersten Teil mitnehmen durfte, absolut bestätigt =)! 
Vorsicht - wenn ihr "Bourbon Kings" (also das erste Buch der Reihe) noch nicht gelesen habt, solltet ihr ab hier nicht weiterlesen! Der Klappentext des zweiten Buches enthält nämlich Spoiler für euch...
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Nach Williams überraschendem Tod unter sehr mysteriösen Umständen ist Lane das einzige Mitglied der Familie, das noch einigermaßen handlungsfähig zu sein scheint. Doch der Abgrund, der sich durch das Erbe des Vaters Stück für Stück offenbart, ist tiefer als befürchtet. 

Ich weiß nicht, warum auf den Klappentexten dieser Reihe immer wieder irgendwelche Liebesgeschichten in den Fokus gerückt werden - was mich an dieser Reihe nämlich von Anfang an so begeistert hat, war genau der Umstand, dass es nicht nur um Romantik und Sex und Affären geht. Vielmehr haben wir hier ein vielschichtiges Familiendrama mit Thriller- und Krimielementen und ganz fabelhaften Charakteren.

Nicht nur Lane ist nämlich vom Playboy zum Sympath mutiert, es ergeben sich auch so einige neue Bekanntschaften, die wirklich Pfeffer in die Handlung bringen (auch wenn mein persönlicher Favorit die Geschichte um Gin bleibt). Meiner Auffassung nach verliert Lane auch ein bisschen seine Protagonisten-Stellung. Durch den häufigen Perspektivwechsel und den Umstand, dass sich in gewisser Weise parallele Handlungsstränge entwickelt haben, von denen die handelnden Personen nicht unbedingt wissen, ist die Vordergründigkeit der Figuren ein bisschen ausgeglichener als im Auftakt zur Reihe. Beruhigenderweise hat das aber für mich (die ich wirklich schlecht mit Namen bin!) nicht für Verwirrungen gesorgt, sondern im Gegenteil dazu angeregt, weiter über die Einzelschicksale und ihre Verknüpfungspunkte nachzudenken. Die ganze Zeit versucht man, irgendwie zu erkennen, welche Entscheidungen Lane aus der ganzen Situation herausholen könnten (Überraschung: Das funktioniert leider so gar nicht!).

In der Mitte des Buches hatte ich schließlich das Gefühl, dass die Autorin nie wieder aus der Zwickmühle herauskommt, in die sie ihre Charaktere manövriert hat - trotzdem ergeben sich ein paar unerwartete Wendungen, die - wie auch im vorigen Teil - zwar sehr plötzlich geschehen, aber nicht unlogisch sind oder dem berühmten "ex machina"-Prinzip folgen.

Alles in allem: Hier trifft ein interessanter Genremix auf eine großartig ausgeklügelte Handlung. Und wer Lust auf ein modernes Familiendrama der etwas anderen Art hat, der wird auch vom zweiten Teil der "Bourbon Sins"-Reihe nicht enttäuscht werden =)!
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J.R.Ward: Bourbon Sins. Erschienen am 28. Juni 2017 im LYX-Verlag. Kostenpunkt: 12,90€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Bei der Google-Suche zu der Buchreihe, die euch die liebe Sabrina gestern vorgestellt hat, bin ich nur durch Zufall über die Wikipediaseite der Autorin gestolpert. Und schon beim ersten Überfliegen wusste ich: Die Frau und ihre Biografie ist unfassbar spannend! Also gibt es hier zum Abschluss unseres katzigen Wochenendes noch eine kleine Autorinnenvorstellung von mir.
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Wirklich bekannt wurde die 1944 geborene Rita Mae Brown leider nicht durch ihre Schriftstücke. Weil sie offen homosexuell lebte und sich weigerte, dem offiziell "abzuschwören" (ja, zu den Zeiten wurde diese Aufforderung so ausgesprochen), durfte sie ihr Studium am College nicht beenden - sie wurde rausgeworfen und musste sogar einige Zeit obdachlos auf der Straße leben.

Rita Mae Brown auf dem Grundstück ihrer Farm in Virginia
 - Foto von der Homepage der Autorin
Durch ihre Beziehung mit Martina Navrátilová (eine sehr erfolgreiche Tennisspielerin) erhielt Brown Einsicht in die lesbische Frauenbewegung der 1970er und 80er Jahre. Sie engagierte sich für Frauen- und Bürgerrechte, demonstrierte gegen Krieg und Gewalt. Einige dieser Erlebnisse, die sie mit der Gesellschaft und sich selbst machen konnte, schrieb sie nieder. Ihr allererstes Buch "Rubyfruit Jungle" (zu deutsch Rubinroter Dschungel) verkaufte sich sofort millionenfach und sorgte für viele Diskussionen weltweit.
In einem Interview sagte sie über die Wertung der Sexualität: Wie widerlich ist es denn, dass Menschen in eine Schublade gesteckt werden, je nachdem mit wem sie schlafen?
Sie hält die Sexualität für das absolut Uninteressanteste am Menschen, denn sie sage nichts über einen aus.

Die Neuauflage des Buches
1989 in Deutschland
An anderer Stelle betont sie außerdem, dass "Rubyfruit Jungle" nun einmal ihr Erstlingswerk war und trotz des großen Erfolges schaut sie lieber nach vorn und nicht zurück - ständig finden sich neue Skripte in ihrer Schublade und sie sammelt Ideen für das nächste Buch.

So kam dann auch die bisher 22-bändige Reihe um die Katze Mrs. Murphy zustande. Außer diesen Büchern gibt es jedoch auch noch eine andere Buchreihe von ihr ("Sister Jane", eine Reihe um eine Füchsin), mehrere Stand-Alone Bücher und sogar einen Gedichtband. Ihre Bücher kommen an - und trotzdem bleibt die Autorin stets bescheiden. In fast jedem Interview, das ich von ihr gelesen habe, wird deutlich, dass sie einen Personenkult um sich nicht verstehen kann. Sie sieht ihre Bücher als Selbsterprobung, nicht als Offenbarung. Besonders "Rubyfruit Jungle" war dabei aber so ein Meilenstein der Genderbewegung und viele junge Menschen verdanken dem Buch einiges. In einem Interview sagt sie von sich, sie glaube nicht, sie sei klüger als andere auch - und beschwert sich über die Überhebung des Schriftstellertums in den Vereinigten Staaten.

Heute hat sich Rita Mae Brown fast völlig aus der Presse und dem Rampenlicht zurückgezogen. Sie lebt auf einer Farm in Virginia, organisiert Fuchsjagden, pflegt ihre Felder und ihre zahlreichen Tiere. Und - sie schreibt. Immer noch. Immer wieder.
Lisa Sonnenschein
Sabrina ist zu Besuch bei mir - und sie möchte euch eine katzige Buchreihe vorstellen, die sie seit Jahren begeistert verfolgt. Darum trete ich jetzt auch gleich mal einen Schritt zurück und wünsche euch viel Spaß mit Mrs. Murphy ;)!
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Heute habe ich von der lieben Lisa die Möglichkeit bekommen, euch meine Lieblingsbuchreihe vorzustellen. Es sind die vielen Fälle der Mrs. Murphy, geschrieben von Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown. Hierzu muss man sagen, dass Sneaky Pie die Katze von Rita Mae Brown ist. Aber wie es sich für eine selbstbewusste Katze gehört, ist sie natürlich insgeheim der Meinung, dass sie alleine für das Gelingen der Stories verantwortlich ist. Und nicht nur, weil sie große Ähnlichkeit mit der Hauptfigur der Krimis hat ;).

Sabrinas Sammlung der Fälle von Mrs. Murphy
Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown haben bisher 22 Fälle veröffentlicht. Der erste Fall kam in Deutschland 1992, der letzte Fall im Oktober 2016 heraus. Auch nach so vielen Teilen mag ich die Geschichten sehr gerne und finde sie keinesfalls langweilig. 
Warum mir die Bücher gefallen? Ich liebe Krimis und Katzen :)! Beides wird hier vereint. Insgesamt finde ich auch den Schreibstil der Bücher leicht und flüssig, sodass man sich von Anfang an gedanklich nach Crozet, Virginia beamen kann und in der Story versinkt. 

Aber worum geht es nun in den Büchern?
Wir reisen nach Crozet im Bundesstaat Virginia/USA. Die 33-jährige Posthalterin Mary Minor Haristeen, von allen nur Harry genannt, wohnt hier auf einer Farm mit ihren Haustieren.
- Die graue Tigerkatze "Mrs. Murphy"
- Corgi "Tee Tucker"
- Die graue Katze "Pewter" (sie zieht allerdings erst im Laufe der Fälle bei Harry ein)
Ebenso zählen Pferde, ein Opossum, eine Ringelnatter und eine Eule zu den Farmtieren, die immer wieder eine kleine Rolle spielen.
Eine der deutschsprachigen
Ausgaben der Buchreihe
Eine Farm ohne Mäuse ist auch keine richtige Farm, daher dürfen auch sie nicht fehlen. Hier gibt es eine stille Übereinkunft zwischen Mrs. Murphy und ihnen, damit sie nicht gefressen werden :). Welche das ist, müsst ihr selbst herausfinden.

Neben den genannten Hauptakteuren gibt es noch sehr viele Menschen in und um Crozet, denen Harry und ihre Tiere begegnen und die auch durchgängig eine feste Rolle in den Büchern erhalten. Hierzu zählen Freunde, Familie, Tierärzte, die Polizei und der Bürgermeister. Wie sich das in einem kleinen Örtchen gehört, kennt jeder jeden und jeder ist miteinander befreundet - man hält auch in schwierigen Zeiten zusammen.

Aber ein Krimi wäre kein Krimi, wenn es nicht auch Bösewichte gäbe. Diese gilt es zu entlarven, damit in dem kleinen Örtchen Crozet wieder Ruhe einkehrt. Hier stecken Harry und ihre tierische Bande mit den Nasen immer ganz tief im Geschehen. Da Harry eine sehr neugierige Person ist, bringt sie sich schnell in Gefahr, aus der es oft nur ein knappes Entrinnen gibt. Denn ein Mörder mag es nicht, wenn man zu sehr in seinen Angelegenheiten herumschnüffelt und ihm immer mehr auf die Schliche kommt.
So und ähnlich sehen die englischen
Ausgaben der Bücher aus
Mrs. Murphy und Tucker folgen ihrem Frauchen auf Schritt und Tritt. Dafür sind sie in ganz Crozet bekannt und jeder liebt sie. Sie passen aber auch so natürlich auf Harry auf, wenn sie es wieder einmal mit ihrer Schnüffelei über-treibt und es für sie eng wird. So mancher Verbrecher darf dann mit den scharfen Krallen von Mrs. Murphy oder dem "gefährlichen Bellen" von Tucker Bekanntschaft machen. 
Mrs. Murphy und Tucker gehen aber oftmals auch eigene Ermittlungswege und "fragen" die Tiere der Umgebung nach Beobachtungen aus. Sie versuchen dann, irgendwie ihren Menschen auf den richtigen Pfad zu lotsen. 

Man kann sich das ungefähr so vorstellen (bitte mit ein wenig Ironie lesen):
Ich liege nichtsahnend auf der Couch und lese. Meine Katzen stehen aber (aus ihrer Sicht) kurz vor dem Hungertod. Das unterstreichen sie mit permanentem Mauzen, auf mir Hoch- und Runterlaufen, Trampeln und Buch-Wegstupsen. Damit weiß ich: Was ich gerade tue, ist völlig falsch und ich muss sofort aufstehen und die Näpfe füllen!
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Insgesamt sind die Geschichten voller Spannung, Witz, Landleben, Freundschaft und Zusammenhalt. Aber auch alltägliche Sorgen finden ihren Platz und natürlich auch die Trauer der Hinterbliebenen von verstorbenen Personen.

Für mich ein perfektes Zusammenspiel, das mich bisher stets gut unterhalten hat. Ich freue mich auf viele weitere Stories mit Mrs. Murphy und Co.

Lisa Sonnenschein
Hier kommt also der zweite Teil der Shadowcross-Reihe und das wahre Problem von Rezensionen zu Buchserien offenbart sich. Was kann ich verraten, ohne zu spoilern? :P

Meine Rezension, in der ich ein bisschen zusammenfassend beide Teile vorstelle, beginnt gleich zu Anfang des Videos:


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Riley ist also ein Hunter. Trotzdem geht sein Leben außerhalb der düsteren Welt von Shadowcross weiter - und so lernen wir in dieser Episode seine Freunde kennen, denn Riley ist auf Madisons Party eingeladen. Und das ist gar nicht mal so unterhaltsam, wie es jetzt klingt...

Wir verlassen also ein bisschen die Welt der Menschenfresser und Doppelgänger. In dieser Episode ist das Tempo reduzierter, die Hintergründe von Riley müssen geklärt werden, damit es mit der Handlung weitergehen kann. Ich fand das eine schöne Abwechslung, freue mich aber auch wieder auf die nächste Episode, die dem Ende nach zu urteilen wieder erheblich rasanter werden dürfte ;).
Der Schreibstil ist natürlich gewohnt flüssig, ich hatte das Buch innerhalb eines gemütlichen Stündchens auf dem Balkon durch. 
Ich kann mir vorstellen, dass das Ende des Buches (eine überraschende Wendung inklusive Cliffhanger) bei einigen für Enttäuschung gesorgt hat, ich habe allerdings schon im Laufe des ersten Teiles damit gerechnet und bin deswegen überzeugt, dass uns da in der dritten Episode noch eine ausführliche Erklärung erwartet. Auf jeden Fall bietet auch dieses Buch, genau wie sein Vorgänger, viel Spielraum für Spekulationen, wie es weitergehen mag.

Alles in allem wieder eine spannende Episode - ich freue mich auf den nächsten Teil, der zeitnah bei mir eintrudeln sollte.
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Lillith Korn: Shadowcross II, Madisons Party. Erschienen am 2. Juli 2017 via CreateSpace. Kostenpunkt: 3,59€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Hier tut sich gerade eine neue Thriller-Reihe des Bestsellerautoren auf. Ich durfte reinlesen und damit heute auch die erste Rezension zu einem "Ethan Cross" überhaupt schreiben :).
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August Burke ist kein Ermittler, wie er im Buche steht. Weil er das Asperger-Syndrom hat, fällt es ihm schwer, andere Menschen und ihre Handlungen richtig einzuschätzen. Auf der anderen Seite hilft ihm diese Fähigkeit zur nüchternen Einschätzung auch dabei, anspruchsvolle Kriminalfälle zu lösen - und so wird er an den Schauplatz einer dramatischen Geiselnahme gerufen...

Einen Ermittler mit einer geistigen "Einschränkung" dieser Art zu begleiten, ist aus Autorensicht gleich doppelt knifflig. Erstens versagt Burke auf zwischenmenschlicher Ebene völlig, was ihn für einen Leser unsympathisch machen könnte. Zweitens ist es als "Psychotypischer", wie Burke selbst sagt, unheimlich schwer, sich in das Denken und Handeln Betroffener hineinzuversetzen. Beides hat Ethan Cross allerdings meisterlich bewältigt. August Burke war für mich ein leicht verschrobener, aber durchaus bewundernswerter Kriminalberater. Ich kenne mich mit Asperger überhaupt nicht aus, aber die Einblicke, die uns in Burkes Psyche gewährt werden, waren für mich absolut überzeugend und berührend. Burke weiß, dass er anders ist und wo seine Schwächen liegen - trotzdem würde er nie mit anderen tauschen wollen.
Beeindruckt haben mich auch die beiden anderen Ermittler, die uns durch einen Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln nahegebracht werden. Die Charaktere fand ich wirklich klasse und divers.

Eher schade war, dass die Handlung keine nennenswerten Besonderheiten enthielt. Es gibt Wendungen und Actionszenen, aber irgendwie konnte mich der Hintergrund der Geschichte nicht so richtig packen - es geht viel um das Hickhack zwischen den Geheimdiensten und Machtspielchen. 
Das Ende hat zu meiner neutralen Haltung nicht unwesentlich beigetragen und so hatte Burke - der Ermittler, den ich eigentlich das ganze Buch über toll ausgeglichen fand! - mit dem Finale seinen "Justus Jonas"-Moment und lässt die völlig verfahrene Situation aus dem Handgelenk heraus platzen. Das fand ich wirklich schade, denn die ganze Zeit über schafft es Cross, den genialen Denker eben nicht als gnadenlos überlegen darzustellen. Die Ermittler ergänzen sich im Gegenteil wunderbar und müssen sich unterstützen, um weiterzukommen.

Schade - die Charaktere hätten hier Anlass zu mehr Tiefe gegeben. Alles in allem war aber "Spectrum" für mich immer noch ein guter Thriller, der spannend und unterhaltsam war und mit einem Protagonisten daherkommt, der in nachfolgenden Fällen bestimmt noch glänzen wird.
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Ethan Cross: Spectrum. Erschienen am 21. Juli 2017 bei Bastei Lübbe. Kostenpunkt: 11,00€ als Taschenbuch.
Lisa Sonnenschein
Na endlich hat es das furiose Finale der Tearling-Trilogie auch zu mir geschafft. Vom ersten und zweiten Band war ich ja einfach nur hingerissen und habe daher sehr verzweifelt auf diesen hier gewartet.

Meine Videorezension dazu seht ihr hier ab Minute 13:19.



Immer noch sind wir mit Kelsey unterwegs, die in diesem Teil einfach nur von einem Problem ins nächste stürzt - eine feindliche Armee vor der Tür, selbst völlig machtlos, getrennt von allen, die ihr wichtig sind. Und dann ist da ja auch noch diese geheimnisvolle dunkle Macht, die aus dem Gebirge immer näher zu kommen scheint. Was hat Kelsey da nur entfesselt...

Endlich kommt alles zusammen! Wir erfahren hier die Geschichte der Überfahrt und was unsere Zeit eigentlich mit der von Kelsey verbindet (dass es da ein bindendes Glied gibt, war ja auch schon im ersten Teil klar - Irrungen und Wirrungen inklusive).
Der Schreibstil dieses Buches ist nach wie vor einfach packend. Auch diesen Teil hatte ich innerhalb von zwei Tagen weggefrühstückt, obwohl er immerhin 600 Seiten hat. Irgendwie kommt man bei dieser Autorin unheimlich schnell in einen Lesefluss, der einen nicht mehr loslässt.

Allerdings hat mich auch ein bisschen was gestört - zum einen gibt es da einige Ungereimtheiten in der Handlung. Dadurch, dass eine Verbindung zwischen dem Jetzt und Kelseys Welt geschaffen werden muss, verstrickt sich die Autorin in einige Logikfehler (oder irrationale Handlungen der Protagonisten). Die sind zwar nie so dramatisch, dass man sich laut darüber ärgern würde, häufen sich aber und fallen irgendwann auf.

Zum Zweiten wird Kelsey in diesem Teil wirklich von einer Schwierigkeit in die nächste geworfen. Ich habe mich schon am Anfang des Buches gefragt, wie Erika Johansen all die Herausforderungen auflösen will, mit denen der Leser konfrontiert wird. Die Antwort ist einfach: Auf einer epischen Heimreise quer durch's Land bieten sich die Lösungen quasi von selbst. Und so stolpert Kelsey scheinbar durch bloßen Zufall genau in die Arme der richtigen Menschen, um ihr Dilemma zu lösen. Das wirkt konstruiert und gewollt - irgendwie "hölzern". Das Ende ist dramatisch, ich fand es aber gut gelöst, auch wenn ich verstehen kann, dass der Aufschrei bei den Fans laut war...

Alles in allem finde ich diese Buchreihe aber nach wie vor absolut gelungen, die Entwicklung, die die Protagonistin und auch die Geschichte selbst durchmachen, machen unheimlich Spaß und durch die leichtgängige Lesbarkeit mag man über so manche logische Verzettelung auch einfach "weglesen". Während der erste Teil noch als klassische Jugendfantasy mit starker Hauptfigur losging, wurde es im zweiten Teil zunehmend düster. Hier im dritten Teil kann man schon fast von Darkfantasy sprechen, hinzu kommen die politischen Verstrickungen, die man auch als Leser nicht objektiv lösen könnte und die zu kniffligen ethischen Entscheidungen führen. Eine Stärke der Autorin ist nach wie vor die Charakterentwicklung - so schließt man nicht nur die Protagonistin ganz schnell in sein Herz, mir haben es besonders die Nebencharaktere angetan.
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Erika Johansen: Die Königin der Schatten, Verflucht. Erschienen am 26. Juni 2017 im Heyne-Verlag. Kostenpunkt: 14,99€ broschiert.
Lisa Sonnenschein
Hallo und und willkommen auf meinem Blog! Heute macht die Blogtour zu "Hero - wenn mein Herz schreit" von Sarah Hauck bei mir Halt. Das 30 Seiten lange Buch erzählt vom Verlust der ersten Liebe - und warum dieser Verlust die Erzählerin einen Helden gekostet hat. 
Ich habe mir mal Gedanken dazu gemacht, was denn ein Held überhaupt ist.
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Heute ist der letzte Tag der Blogtour, gestern waren wir unterwegs bei Lea's Bücherwelt (da gab es einige Gedanken zum Buch) und vorgestern hat die wunderbare Büchernixe zehn Tipps gegen Liebeskummer zusammengestellt. Schaut auch bei den beiden oder im Facebook Event gerne mal vorbei =).
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Bevor ich jetzt den Duden mal um seinen weisen Rat frage - überleg dir mal für einen Moment, lieber Leser, was ein Held für dich ist. Kannst du es festmachen? Nein? Ging mir auch so ;).

a) (Mythologie) durch große und kühne Taten besonders in Kampf und Krieg sich auszeichnender Mann edler Abkunft (um den Mythen und Sagen entstanden sind)
b) jemand der sich mit Unerschrockenheit und Mut einer schweren Aufgabe stellt, eine ungewöhnliche Tat vollbringt, die ihm Bewunderung einträgt.
c) jemand der sich durch außergewöhnliche Tapferkeit im Krieg auszeichnet und durch sein Verhalten zum Vorbild [gemacht] wird.

Drei Dinge fallen auf. Erstens scheint der Held ausdrücklich männlich zu sein (das liegt aber an meiner Eingabe - ich hätte auch "Heldin" eintippen können). Zweitens scheint ein Held verflixt viel zu kämpfen, in zwei von drei Definitionen kommt das Wort "Krieg" vor. Und drittens scheint ein Held sogar etwas Passives sein zu können - in der letzten Definition kann ein Held auch "gemacht" werden.

Foto von Pixabay
Genau dieser letzte Punkt ist für mich auch der Knackpunkt. Ein Held wird stets zu einem gemacht - wer das tut und unter welchen Umständen, das ist vermutlich nicht mal ihm selbst überlassen. Vielleicht folgt er nur seinen Idealen? Vielleicht handelt er nur instinktiv? Die Zuschreibung "Held" kommt dann von außen - dabei ist es egal, von wie vielen Menschen. Dass der Held auch ganz klein sein kann, zeigt auch der Kosename "mein Held", der in Beziehungen manchmal (nicht ganz ernstgemeint?) fällt. Fakt ist: Ein Held, den keiner so nennt/sieht, ist keiner. Mann kann nicht für sich selbst Held sein. Mann kann etwas Großes im Geheimen vollbracht haben - dann ist man aber kein Held, der muss eben von anderen Menschen als solcher anerkannt werden.

Kurzum: Ob mein Held jetzt Millionen Menschen das Leben gerettet hat, sich aufgeopfert hat für andere, oder einfach nur "mein" Held ist, sich für mich einsetzt und in ganz kleinem, persönlichen Rahmen Großes leistet - er unterscheidet sich in seinem "Heldsein" in der Zuschreibung durch andere. Einmal ist er ein global bekannter Held, vielleicht wird er auf der Straße erkannt, es entsteht ein Personenkult um ihn - und in der zweiten Definition ist er meine eigene kleine Vorbild-Figur, der ich evtl. viel verdanke. Der "Kampf" des Helden selbst ist also eine Frage der Wahrnehmung, er selbst muss sich nicht unbedingt anstrengen, um ein Held zu sein (wir denken mal zum Beispiel an diese Preise, die für Zivilcourage verliehen werden - ganz oft ist für die Menschen selbstverständlich, was sie da getan haben und sie würden ihre Taten nie als "groß und kühn" bezeichnen).


Ein Held im kleinen Rahmen ist für die Erzählerin in "Hero" ihr Freund, der ihr viel gegeben hat, sie aus so manchem Loch gezogen hat und doch fragt man sich bei jedem Helden auch immer wieder - wie ist er eigentlich zum Antihelden geworden...?
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Sarah Hauck: "Hero - Wenn mein Herz schreit". Erschienen via CreateSpace. Kostenlos über kindle unlimited lesbar. Ansonsten ist der Kostenpunkt: 0,99€ als eBook.