Lisa Sonnenschein
"Tachschön!"

Dieses Buch ist im DichtFest Verlag entstanden und wo ich erst nur den Autor von "Erellgorh" besuchen wollte, begegnete mir gleich noch Frank Friedrichs und gab mir sein Buch mit - und ein Funfact am Rande: Ich hab' am Anfang gaaar nicht verstanden, dass es "Vertikow" gar nicht gibt! Aber mal im Ernst, schaut euch mal die Homepage an, da wird gefühlt jedes Gebäude des Dorfes gezeigt und sogar einen Landkartenausschnitt gibt es.

Meine Videorezension zum Buch beginnt bei Minute 05:05.



Peer Wesendonk sitzt seit kurzem im Rollstuhl. Keine einfache Sache, wenn man mitten in Mecklenburg im dorfigsten Dorf aller Zeiten lebt und von Beruf Organist ist. Seiner Existenz und seiner Aufgabe beraubt, versinkt Peer in seinem umgekrempelten Alltag, der von Mitleid und Präsentkörben geprägt ist. Doch dann passiert etwas Ungewöhnliches in Vertikow und Peer beschließt, dem "Verkehrsunfall" seiner Nachbarin Frau Kuhn auf den Grund zu gehen...

Klingt jetzt nach der klassischen "Zivilperson pfuscht den Behörden in ihre Ermittlungen, weil sie sich wichtig fühlt und am Ende war's der Gärtner"? Ist es aber nicht ;).

Zwei Dinge weiß ich an Krimis (und ich bin echt keine wahnsinnig begeisterte Krimileserin) wirklich zu schätzen:
1. Wenn die Umgebung stimmt und man sich direkt ins Umfeld des "Ermittlers" wünscht. Auch wenn das Dorf Vertikow erstmal so gar nicht hinwünschenswert klingt, schafft es der Autor, die Dorfgemeinschaft als so verbunden darzustellen, dass man unbedingt auch mitreden will. Und das, obwohl in jeder Konversation klassisch Nordlicht-mäßig nur gefühlte drei Worte fallen.
2. Wenn der Ermittler Klasse hat. Peer ist nicht dieser überengagierte, grünschnablige Besserwisser - er hat einen Hang zur Grummeligkeit und sucht eben nach einer Aufgabe. Die Ermittlung ist für ihn nicht das Mittel, um im Rampenlicht zu stehen (auch wenn man das manchmal meinen könnte), sondern ein bisschen Selbstschutz. Ich konnte ihn so gut verstehen - in jeder Hinsicht.

Dazu kommt, dass der Rollstuhl wirklich mal eine ganz andere Komponente mit in diesen Krimi bringt. Wie viele Detektive kennt ihr, die sich von drei Treppenstufen vor dem Eingang einer Kneipe von der Spurensuche abhalten lassen müssen?
Obwohl die Handlung in sich abgeschlossen ist, der Fall also zu einem Ende kommt, entsteht hier eine Krimireihe. Ich bin wirklich gespannt, wie es der Autor plausibel erklären möchte, dass im beschaulichen Vertikow NOCH ein Kriminalfall zur Ermittlung frei ist. Hier im ersten Band nehme ich Peer seine Rolle auf jeden Fall absolut ab.
Achja, eins noch - erwartet nicht, dass es in diesem Krimi nicht rasant zur Sache geht, nur weil der Protagonist eingeschränkt beweglich ist! Langweilig war "Erntedank in Vertikow" weiß Gott nicht und im Showdown habe ich ziemlich geschwitzt.

Von mir bekommt das Buch eine Empfehlung - eingeflauscht auf dem Sofa mit Tee liest es sich meiner Meinung nach am besten. "Erntedank in Vertikow" zeichnet sich aus durch Sprachwitz, ein klein wenig Schrulligkeit, Spannung und eine kleine Lektion in Sachen Dorfleben für alle Eingeweihten und Zugezogenen ;). Ich freu' mich schon auf den nächsten Band mit Peer!
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Frank Friedrichs: Erntedank in Vertikow. Erschienen am 26. November 2016 im DichtFest Verlag. Kostenpunkt: 9,99€ als Taschenbuch.
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