Lisa Sonnenschein
Eine Liebesgeschichte. Seufz. 
Wer sich jetzt fragt, wie das passieren konnte - ich bin bei buecher.de als "Buchflüsterer" angemeldet. Bedeutet, dass ich regelmäßig Neuerscheinungen zugesendet bekomme, die ich dann in gewissem Zeitrahmen rezensieren sollte. Das hat den Vorteil, dass ich auch mal Bücher lese, zu denen ich in der Buchhandlung nie gegriffen hätte. Außerdem hat es den Nachteil, dass ich auch mal Bücher lese, zu denen ich in der Buchhandlung nie gegriffen hätte^^. Genug Gelaber - hier mein Senf zum Buch!
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Henry hat eigentlich noch nie darüber nachgedacht, was "Liebe" eigentlich so mit einem macht - er ist 17 und über seinen ersten Kuss hinaus hat er auch nicht so richtig Ahnung, wie eine Beziehung mit einem Mädchen überhaupt funktioniert. Und dann kommt Grace an seine Schule. Sie trägt weite "Jungsklamotten", zieht ihr Bein nach und ist auch sonst so ganz anders als die anderen...

Klingt jetzt nach einer klischeehaften Teenie-Lovestory. Ist es auch - aber eben nicht ganz. Denn ab der Hälfte der Geschichte werden wir hier mit einer Wendung konfrontiert, die doch noch Tiefe in den Roman bringt. Im Mittelpunkt steht allerdings nach wie vor unser Henry, der viel darüber lernt, warum Menschen lieben - und den ich gerne regelmäßig in die Wange gezwickt hätte (wie die gruslige Oma auf dem Familienfest, zu dem man nie gehen wollte). Es ist wirklich schön, wie naiv der Junge an seine Geschichte herangeht, und wie er sich in deren Verlauf ändert.

Insgesamt gesehen hatte der Roman drei Phasen.
Erstens - Langeweile. "Mensch Meier, fahr das Drumherum runter und lass mich lieber mal in die Charaktere und die Handlung besser reinkommen."
Zweitens - aufmerksames Interesse. "Ach soooo ist das die ganze Zeit! Mensch, jetzt will ich aber wissen, wie es weitergeht!"
Drittens - Enttäuschung. "Na toll, ein einziges Klischee - die Geschichte hätte doch Potenzial gehabt!"

Am Schluss ist mir das ganze naive Getue dann wirklich auf die Nerven gefallen. Das Ende hat mich wirklich gestört, weil ich nach dem Mittelteil erwartet hatte, dass hier viel mehr bei rauskäme als nur "noch so ein Liebesroman". Ja, das Buch ist anders als viele aus derselben Sparte - aber für meinen Geschmack ist es immer noch zu rosa und schafft den Spagat zwischen "Liebesliteratur für Jugendliche" und "anspruchsvoller Roman, der einen etwas über das Leben lehrt" so gar nicht. Den versucht es aber - und da beißt sich dann der jugendlich-naive Protagonist mit dem seriös-tiefgründigen Hintergrund des Handlungsverlaufs.

Das Buch hat für mich nicht richtig funktioniert. Es hatte definitiv seine Höhen und ich habe mich nicht geärgert, es in die Hand genommen zu haben - aber so richtig Freunde sind wir nicht geworden und eine Empfehlung bekommt es von mir (als Gegnerin des Kitsches) leider nicht.
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Krystal Sutherland: Unsere Verlorenen Herzen. Erschienen am 25. September 2017 bei cbt. Kostenpunkt: 14,99€ broschiert.